Wachstumsrücknahme

Ökologische Katastrophe





Vorwort des Living Planet Report (LPR) 2008 von James P. Leape (WWF International)

Klimawandel: Deutsche Medien betreiben Desinformation von Stefan Rahmstorf, Frankfurter Allgemeine Archiv

Das saubere Auto, ein Ding der Unmöglichkeit von Vincent Cheynet












Vorwort des Living Planet Report (LPR) 2008:

“Der gegenwärtige Abschwung der Weltwirtschaft erinnert uns nachdrücklich daran, welche Konsequenzen es hat, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Doch die Gefahr einer wirtschaftlichen Rezession verblasst im Vergleich zu der drohenden Kreditkrise in ökologischer Hinsicht.

Ob wir am Waldrand oder mitten in einer Stadt leben: Unsere Lebensgrundlage und sogar unser Leben hängt von der Versorgung durch die Ökosysteme der Erde ab. Der Living Planet Report 2008 stellt fest, dass wir die Ressourcen für diese Versorgung viel zu schnell aufbrauchen – schneller, als sie erneuert werden können. Genau wie unbedachte Ausgaben zur Rezession führen, so führt unbedachter Konsum zur Erschöpfung des natürlichen Kapitals der Erde und letztendlich zur Gefährdung unseres zukünftigen Wohlstands. Der Living Planet Index zeigt, dass wir allein in den letzten 35 Jahren fast ein Drittel des ökologischen Kapitals der Erde verloren haben.

Doch unsere Ansprüche steigen weiter, angetrieben vom unbegrenzten Wachstum der menschlichen Bevölkerung und des individuellen Konsums. Unser Fußabdruck übersteigt die Fähigkeit der Erde zur Regeneration nun um rund 30 Prozent. Wenn unsere Ansprüche an den Planeten weiter mit der gleichen Geschwindigkeit zunehmen, werden wir in den 2030er Jahren den Gegenwert von zwei Planeten brauchen, um unseren Lebensstil aufrechtzuerhalten. Der Bericht befasst sich in diesem Jahr erstmals mit den Auswirkungen unseres Konsums auf die Wasservorräte unserer Erde und mit unserer Verwundbarkeit durch Wassermangel in vielen Gebieten. Diese Entwicklungen haben konkrete Folgen, die wir in diesem Jahr den täglichen Schlagzeilen entnehmen konnten.

Die globalen Preise für zahlreiche pflanzliche Agrarerzeugnisse erreichten 2008 Rekordhöhen, was größtenteils aus der verstärkten Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie Biokraftstoffen und in manchen Gebieten aus versiegenden Wasserquellen resultierte. Zum ersten Mal seit Menschengedenken war in diesem Sommer die arktische Eiskappe von offenem Wasser umgeben – sie verschwand buchstäblich unter dem Einfluss unseres Kohlendioxid-Fußabdrucks.

Die ökologische Kreditkrise ist eine globale Herausforderung. Im Living Planet Report 2008 erfahren wir, dass mehr als drei Viertel der Menschheit in Ländern leben, die ökologische Schuldner sind – der nationale Konsum übersteigt die Biokapazität ihres Landes. Die meisten von uns nutzen also für ihren gegenwärtigen Lebensstil und für wirtschaftliches Wachstum das ökologische Kapital anderer Teile der Welt.

Die gute Nachricht ist, dass wir die ökologische Kreditkrise umdrehen können – es ist nicht zu spät, um den Beginn einer unabänderlichen ökologischen Rezession zu verhindern. Dieser Bericht identifiziert die wichtigsten Gebiete, auf denen wir unseren Lebensstil und unsere Wirtschaftssysteme verändern müssen, um einen Weg der Nachhaltigkeit einzuschlagen.

Die Größe der Herausforderung wirkt zeitweise erdrückend, weshalb wir das Konzept der “Maßnahmenpakete für Nachhaltigkeit” (“Sustainability wedges” ) eingeführt haben, um die Überschreitung ökologischer Grenzen zu verdeutlichen, die in verschiedenen Bereichen und als Folge diverser Ursachen auftritt. Diese Analyse ermöglicht es, die unterschiedlichen Faktoren aufzuschlüsseln und jeweils passende Lösungen vorzuschlagen.

Die größte Herausforderung besteht darin, 2050 die vorausgesagte erhöhte Nachfrage nach Energie zu erfüllen und gleichzeitig den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen deutlich zu senken. Wie sie angegangen werden kann, erklärt das WWF Climate Solutions Model. Dieses Modell betont, dass sofortige Maßnahmen unverzichtbar sind, um dem gefährlichen Klimawandel Einhalt zu gebieten.

Wenn wir tätig werden, um unseren Fußabdruck – also unseren Einfluss auf die Ressourcen unserer Erde – zu verkleinern, müssen wir auch den Umgang mit den Ökosystemen, die diese Ressourcen bereitstellen, optimieren. Um Erfolge zu erzielen, müssen wir dabei die von der Natur vorgegebenen Bedingungen und Maßstäbe berücksichtigen. Das bedeutet, dass in jedem Bereich (wie der Landwirtschaft oder der Fischerei) Entscheidungen mit Blick auf weitreichende ökologische Konsequenzen gefällt werden müssen. Es heißt auch, dass wir über Eigentumsund politische Grenzen hinweg Wege finden müssen, um für das Ökosystem als Ganzes zu sorgen.

Fast vierzig Jahre ist es her, dass die Apollo-8-Astronauten den berühmten “Erdaufgang” fotografiert haben und damit das erste Bild der Erde lieferten. Während der zwei folgenden Generationen hat sich die Welt von einem ökologischen Guthaben zu einem ökologischen Defizit bewegt. Die menschliche Spezies verfügt über bemerkenswerten Einfallsreichtum und Problemlösungsfähigkeit. Der gleiche Geist, der sie zum Mond gebracht hat, muss nun genutzt werden, um zukünftige Generationen vor lähmenden ökologischen Schulden zu bewahren.”

James P. Leape, Generaldirektor WWF International



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Das saubere Auto – ein Ding der Unmöglichkeit

Der vorliegende Text ist die freie Übersetzung des Aufsatzes von Vincent Cheynet “L’impossible voiture propre”. Das französische Original ist auf der Internetseite des IEESDS, Institut d’études économiques et sociales pour une décroissance soutenable zu finden. Da dieser Text aus Frankreich stammt, bezieht er sich in weiten Teilen auf die Situation in Frankreich, insbesondere die statistischen Zahlen geben die Verhältnisse in Frankreich wieder. Die Situation Deutschland ist aufgrund der ähnlichen Lebensverhältnisse beider Länder vergleichbar. Wo es möglich war, wurden die entsprechenden statistischen Angaben aus Deutschland ergänzt.


Zum Auto haben die Franzosen gleiche Einstellung wie zum Wachstum: Alles ist gut, solange man es nicht in Frage stellen muss. Daher bemühen sich die großen Konzerne und die Massenmedien, die im Dienst dieser Konzerne stehen, das Auto als “grün”, “sauber” oder “nachhaltig” darzustellen. Mit dem Wachstum ist es ebenso. Das Ziel ist klar: Wir sollen bloß nicht an die grausame Realität denken: Als raum-zeitliches Gesamtphänomen ist eine Zivilisation, die des Autos in dem Mittelpunkt stellt, unhaltbar. Nicholas Georgescu-Roegen behauptet: “Jedes Mal, wenn wir ein Auto herstellen, bezahlen wir im Gegenzug mit der Zerstörung der Lebensgrundlagen kommender Generationen.”

Auch wenn es “das saubere Auto” nicht gibt, es existieren bereits solche, die “weniger schmutzig” sind. Es ist äußerst einfach, sie sofort und in großen Stückzahlen herzustellen. Es genügt, den Hubraum des Autos zu beschränken. Eine eindeutige politische Maßnahme, doch unsere Gesellschaft weigert sich dies durchzusetzen.

Stattdessen begeistern sich die Journalisten der herrschenden Medien für Autos mit Vierradantrieb. Sportwagen mit einem Hybridmotor werden “sauber” genannt.

Den Hubraum eines Autos zu beschränken soll aber nicht bedeuten, die Zivilisation des Autos zu verlängern. Das Ziel sollte wirklich darin bestehen, sich von diesem Gegenstand und vom Zivilisationsmodell, das damit verbunden ist, zu befreien.

Auf die Frage “Was ist ein sauberes Auto?”, behauptet Jean-Marc Jancovici mit gutem Recht, dass nicht mehr als 50 Millionen Wagen auf der Erde “sauber” genannt werden können. Nämlich nur unsere Krankenwagen und Feuerwehrautos.

Noch bevor ein Auto seinen ersten Kilometer fährt, verschmutzt es die Umwelt: Jedes neue Auto benötigt für seinen Bau 300 000 Liter Wasser. Der Bau eines Fahrzeuges, sei es nun “sauber” oder nicht, fordert 20 Mal mehr Rohstoffe als sein Einzelgewicht. Folgendes Beispiel belegt konkret mit Zahlen, wie verschwenderisch die Automobilproduktion mit den Ressourcen unserer Erde umgeht: Um ein Auto mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen herzustellen, benötigt man 30 Tonnen Rohstoffe. (1).

Am anderen Ende der Kette gibt es zwei Millionen Fahrzeuge, die allein in Frankreich jährlich verschrottet werden, d.h. 280 000 Tonnen alte Reifen, 30 000 Tonnen Batteriereste und 400 000 Tonnen besondere Industrieabfälle (2).

Selbst wenn ein immer größerer Teil dieser Abfälle wiederverwertet wird, führt deren Umwandlung zu neuen Belastungen für unsere Umwelt.

Frankreich versucht das Elektroauto unter dem Etikett “sauberes Auto” zu fördern. Die Begründung hierfür sind die zahlreichen Atomkraftwerke, die kein CO2 ausstoßen. Dennoch hat dieses Auto eine viel schlechtere Ökobilanz als ein klassisches Fahrzeug. Nach Berechnungen der französischen Energieagentur ADEME (3) erfordert das Elektroauto 62% mehr Energie für dieselbe Leistung. Die Energie wird außerhalb des Fahrzeugs produziert. Sie muss also transportiert und eventuell gelagert werden, was bei jeder Etappe bedeutende Verluste verursacht. Selbst die für diese Lagerung notwendigen Batterien (Blei, Kadmium) sind überaus schädlich und produzieren nicht wiederverwertbare Abfälle, die unsere Umwelt für Generationen belasten. Einer der wenigen Vorteile des Elektroautos ist die geringe Lärmbelästigung bei geringer Geschwindigkeit. Ab 60 km/h schwindet dieser Vorteil jedoch.

Das schöne Märchen vom Wassermotor

“Der Wassermotor existiert und wartet nur darauf, entwickelt zu werden. Man muss nur den Tank seines Autos mit Wasser füllen und schon fährt es los. Allerdings wird diese Erfindung nicht umgesetzt, denn die Erdölgesellschaften kaufen alle Patente, um weiterhin Milliarden mit Erdöl einzunehmen und ihr Geschäftsmodell zu schützen. Man sagt sogar, dass die genialen Erfinder unauffällig ermordet werden.”
So liest sich in wenigen Sätzen der Mythos vom “Wassermotor”, der in unserer Gesellschaft gern verbreitet wird. Auch wenn diese schöne Geschichte perfekt zu einer kollektiven Wunschvorstellung passt, hält sie sich leider nicht in der Realität.

Der “Wassermotor” wird mit zwei Arten der Energieumwandlung gleichgesetzt, die direkt mit dem Wasser verbunden sind.

1. Der Wasserstoffmotor
Wenn man zwei Moleküle Wasserstoff mit einem Molekül Sauerstoff vereinigt, wird Energie freigesetzt.
Die zuverlässigste Lösung, mit der man diese Wasserstoffmoleküle erhält, besteht in der Elektrolyse von Wasser. Man trennt den Sauerstoff und den Wasserstoff der Wassermoleküle. Doch die Elektrolyse erfordert Energie. Nach den Gesetzen der Physik, erzeugt die Explosion der Moleküle von Sauerstoff und von Wasserstoff Energie. Aber um diese Moleküle zu trennen, benötigt man mindestens dieselbe Energiemenge, die bei der Explosion frei wird.
Bei beiden Verfahren entstehen Verluste, und das heißt, die Energiebilanz der Operation ist negativ.
Im Gegensatz zu Erdöl oder zu Gas existiert Wasserstoff nicht in natürlichem Zustand. Er kann allenfalls ein Energiespeicher sein, wie eine klassische Batterie.

2.Der Pantone-Motor
Dies ist ein altes Verfahren. Bei der Pantone-Technologie wird etwas Wasserdampf einem klassischen Verbrennungsmotor hinzugefügt, um dessen Leistung zu verbessern. Dieser Wasserzusatz braucht nur gering sein.
Die Pantone-Technologie funktioniert mit großen, festen Motoren (zum Beispiel ein Stromaggregat), weil die Einspritzung von Wasser die Fahrzeuge schwerer macht (Das Gewicht von Wasserbehälter, Pumpen usw. kommt zum Gewicht des Motors hinzu.). Die Leistungsverbesserung wiegt den Mehrverbrauch, der durch das erhöhte Gewicht des Motors zustande kommt, nicht auf.
Obwohl Vorstellung vom “Wassermotor” völlig irrationell ist, bleibt sie ein sehr populärer Mythos, bis in die Reihen der Umweltschützer!

Leichtes Wahnbild

Der “Wassermotor” zeigt ein fest verankertes Wahnbild, das sich in unserem kollektiven Unbewussten befindet. In unserer Konsumgesellschaft, das heißt der Gesellschaft der verkehrten Werte, ist die Wissenschaft unbewusst heilig gesprochen worden: “Wir glauben an die Wissenschaft” und wir haben den “Glauben”, dass die Menschen die Fähigkeiten haben, neue Techniken zu finden. Der Glaube macht es vor allem möglich, dass wir uns von unserer persönlichen und politischen Verantwortung befreien. Ich kann mit dem Auto fahren, ohne mich in Frage zu stellen. Denn ich kann meine Verantwortung auf die bösen Erdölgesellschaften, die die uns die Lösungen für einen sauberen Autoverkehr vorenthalten, übertragen...

Leider widersprechen die Tatsachen dieser Idee. Die Erdölgesellschaften sind heute diejenigen, die am meisten in alternative Energien investieren. Ein Topmanager von British Petroleum sagte 2002, dass BP jetzt “beyond petroleum” (jenseits des Erdöls) bedeuten sollte. Die Ersten, die die Alarmglocke läuten und daran erinnern, dass es bei unserem gegenwärtigen Verbrauch keine Alternative zum Erdöl gibt, sind oft ehemalige Führungskräfte der Ölindustrie.

Das Hybridauto

“Hybridautos” vom Typ Prius haben eine katastrophale Ökobilanz. Selbst wenn sie beim Fahren weniger Kohlendioxid als herkömmliche Autos ausstoßen, fällt ihre Ökobilanz extrem ungünstig aus, sobald man nämlich die gesamte Produktionskette berücksichtigt – Herstellung, Betrieb, Recycling/Entsorgung. Diese Autos brauchen für ihre Herstellung seltene Rohstoffe, die viel Energie zur Förderung und Umwandlung benötigen. Die Batterien für die Speicherung der Energie sind äußerst schädlich für unsere Erde, weil die Gewinnung der dafür notwendigen Rohstoffe und hochgiftige Abfallprodukte unsere Umwelt extrem belasten. Diese Fahrzeuge werden mit zwei Motoren ausgestattet, und das verschlimmert ihre Ökobilanz sogar noch.

Die Biokraftstoffe: ein Mythos, den wir vergessen müssen

Man kann sagen, dass das Erdöl ein Biokraftstoff ist. Ein Liter Erdöl wurde aus 23 Tonnen organischer Stoffe gebildet, die innerhalb eines Zeitraums von mindestens einer Million Jahre umgewandelt wurden. Das alles, um mit einem Auto ungefähr 15 Kilometern weit zu fahren! Ein anderer “Bio-Treibstoff”, Holz, ist viel rentabler. Um mit einem Auto 15 Kilometer zu fahren, genügen 15 kg Holz in einem Motor mit Gasgenerator. Ein Problem: 90 Minuten bevor man losfahren möchte, muss man den Gasgeneratormotor starten. Ein anderes Problem: Vor 200 Jahren war Holz so gefragt, dass Frankreich praktisch keinen Wald mehr hatte. Holz war eine wertvolle Ressource, die unsere Vorfahren für das Errichten von Gebäuden, das Heizen oder das Kochen von Lebensmitteln vorsahen. Holz war lebensnotwendig und deswegen war es undenkbar, Holz für überflüssige Sachen zu benutzen. Genau das aber ist es, was die Anhänger von Biokraftstoffen in großem Umfang vorschlagen.

Essen oder fahren

Wenn die Erdölförderung zurückgeht, und das wird sehr bald der Fall sein, verringern sich auch die Erträge in der Landwirtschaft, weil Düngemittel dann sehr teuer werden. Denn Düngemittel werden aus Syntheseprodukten auf Erdölbasis hergestellt. In Frankreich müssen dann beispielsweise 60 Millionen Menschen ohne Kunstdünger ernährt werden, in Deutschland sind es 82 Millionen. Wir brauchen den Ausstieg aus der Intensivlandwirtschaft, die mit Monokulturen und unter hohem Einsatz von Kunstdünger Spitzenerträge erwirtschaftet. Wir müssen die bäuerliche Landwirtschaft neu erfinden, denn sie benötigt nur wenig Energie.

Um den gesamten Treibstoff, der gegenwärtig in Frankreich fürs Autofahren verwendet wird, durch Pflanzenöl zu ersetzen, bräuchte man dreimal die gesamte kultivierbare Ackerfläche von Frankreich! Die Bio-Kraftstoffe werden in Monokulturen angebaut, unter intensivem Einsatz von Düngemitteln und Energie, bisweilen sogar mit genetisch veränderten Organismen. Das steht in krassem Gegensatz zu einer nachhaltig biologischen Landwirtschaft. Was wollen wir lieber: Nahrung für alle oder Sprit für ein Drittel (!) aller Autos und LKWs?

In Zukunft kann man Bio-Kraftstoffe nur für Anwendungen erster Dringlichkeit verwenden, wie Krankenwagen oder für mühsame Arbeiten, die viel Energie, erfordern, beispielsweise in der Landwirtschaft.
Dafür scheint Sonnenblumenöl am stimmigsten: Es braucht wenig Chemie. Mit der Veresterung von Pflanzenöl und Ethanol ist das anders: Für ihre Herstellung benötigt man chemische Reaktionen auf der Basis von... Erdöl.
Aber sogar im Fall von Pflanzenöl ist die energetische Rentabilität fraglich. Die Herstellung von einem Liter Bio-Kraftstoff benötigt bis zu 0,9 Liter Erdöl. In diesem Fall ist es lohnender, Erdöl direkt zu verwenden. Die Umweltverschmutzung halbiert sich.

Nach einer in der wissenschaftlichen Zeitschrift Critical Reviews in Plant Science veröffentlichten Studie, “erfordert die Produktion von Ethanol den Verbrauch von sechs Energieeinheiten, um eine Einheit Ethanol zu produzieren.” Die Bio-Kraftstoffe werden sich auf jeden Fall, wenn noch verfügbare landwirtschaftliche Flächen bleiben werden, in Konkurrenz mit Zugtieren befinden.
Traktoren oder Arbeitspferde – möge der Bessere und Dauerhafteste gewinnen!

Sich von der verdorbenen Wahrnehmung der Wissenschaft befreien

Die schlimmste ökologische Katastrophe auf dem Gebiet “Energie” wäre die Entdeckung einer kostenlosen und unendlichen Energiequelle, selbst wenn sie “nicht umweltschädlich” wäre. Tatsächlich treibt jede Energieproduktion den Verbrauch von anderen Rohstoffen unvermeidlich an. Je weniger Energie wir produzieren, egal aus welcher Quelle, desto weniger verschmutzen wir unseren Planeten und desto weniger Bodenschätze verbrauchen wir.

Die perverse Wirkung des “ökologischen Autos”

Das “ökologische Auto”, das nur drei Liter alle 100 Km verbraucht, macht das Auto fahren billiger und attraktiver. Die Anzahl der Autos auf den Straßen und die Anzahl gefahrener Kilometer nehmen dementsprechend zu. Es handelt sich um dieselbe abartige Wirkung wie für die neuen Fahrzeuge: der/die Autofahrer(in) benutzt lieber ein Auto in gutem Zustand, vor allem wenn es mit einem ökologischen Label markiert ist.
Seine Fortbewegung ist damit nicht wirklich ökologisch (ökologisch wäre: zu Fuß gehen, Rad fahren, öffentliche Verkehrsmittel benutzen...). Und selbst wenn die neuen Fahrzeuge weniger CO2 ausstoßen, sind diese Gewinne durch den serienmäßigen Einbau von hochtoxischen Komponenten und großen Energiefressern wie beispielsweise einer Klimaanlage oft aufgehoben.

Das Auto: vor allem eine Zivilisation

Die Luftverschmutzung, die Ausbeutung der nichterneuerbaren Ressourcen und die Abfälle bilden nur einen Teil der Umweltbeeinträchtigungen des “sauberen Autos”.
Der Lärm, die Millionen Toter und Verwundeter, deren körperliche und psychische Schäden, die Unsicherheit, der Stress, der Hass, das Inbeschlagnahme des Raumes, die Bodenversiegelung und die Entmenschlichung unserer Umgebung bleiben. Selbst wenn ein Motor mit Biomöhren-Saft funktionieren würde, bliebe das Auto die grundlegende Quelle ökologischer und sozialer Umweltbeeinträchtigungen in unserer Zivilisationen. Die Luftverschmutzung macht es nur umso deutlicher.

Es ist wichtig zu verstehen: Der Kauf eines Auto beschränkt sich nicht auf die Inbesitznahme des Fahrzeuges, sondern auch auf die Inbesitznahme der ganzen Welt, die mit dem Fahrzeug verbunden ist, nämlich den Autobahnen, Umgehungsstraßen, Tankstellen, Tankschiffen, die den Kraftstoff transportieren, Verbrauchermärkte (wohin man mit dem Wagen fährt), den Fabriken (um die zitierten Autos und Umgebungen zu produzieren)... Die Zivilisation des Autos umfasst eine Lebensweise, die als Ursprung des größten Teiles der ökologischen Krise gilt.
Ein Auto mit kleinerem Hubraum zu benutzen, ist selbstverständlich besser als ein Auto mit Vierradantrieb, aber in einem Fall wie im anderen handelt es sich immer um vier Räder auf einer Kiste, die sich mit hoher Geschwindigkeit bewegt und eine dadurch eine Umgebung schafft, die in einem Fall wie im anderen dieselbe ist.

Wir müssen uns nur daran erinnern, dass 80 Prozent der Weltbevölkerung kein Auto benutzt und dass sich das Auto in Europa erst seit 40 Jahren verbreitet hat. Der Autofahrer ist sowohl in der Zeit als auch im Raum ein Außenseiter.

Die zwanghafte Suche nach einer technischen Lösung für die vom Auto verursachten Umweltbeeinträchtigungen ist für die herrschende Ideologie symptomatisch. Die Wissenschaftsgläubigen wünschen, dass wir unseren Traum von einer Welt ohne Autos beerdigen, weil dies einfach nicht realistisch sei.
Eine wirklich rationale Betrachtungsweise dringt genau auf das Gegenteil und wir wissen, dass die einzig glaubwürdigen Antworten auf die ökologische Krise kultureller, philosophischer und politischer Art sind. Obwohl sie wichtig sind, bleiben technische Antworten sekundär.

Das Problem besteht nicht darin, saubere Autos herzustellen. Es geht viel mehr darum, mit der Produktion von Autos aufzuhören.
Der Diskurs, mit dem Verteidiger eines “ökologischen Autos” argumentieren, stimmt mit dem Diskurs der Befürworter einer “dauerhaften Entwicklung” oder eines “nachhaltigen Wachstums” überein. Er besteht darin, ein System mit einem grünen Anstrich zu versehen, das sich auf zwei irrationelle Glaubensgrundsätze stützt: “Die Ressourcen unseres Planeten sind unbegrenzt.” und “Die Biosphäre kann unsere Expansion unbeschränkt ertragen.”
Diese Haltung ist kulturell kontraproduktiv, weil sie ein System unterstützt, das letztendlich auf die Zerstörung unseres Planeten ausgerichtet ist. Ebenso wie das “saubere Auto”, das der französischen Elektrizitätsversorger EDF anpreist, wird hat diese Haltung eine negative Ökobilanz.



Noten

1 – T&E Bulletin - N°89 - Juni 2000.

2 – L’auto ou la ville (Das Auto oder die Stadt) - n°2 - April 1996.

3 – ADEME – Agence de l'environnement et de la maîtrise de l'énergie: (Agentur für Umweltfragen und Energiemanagement.)



Weitere Lektüreempfehlung (allerdings auf Französisch):

Vincent Cheynet: Automobile et décroissance

Jean-Marc Jancovici: Que pouvons-nous espérer des biocarburants ?




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