Wachstumsrücknahme

Wachstumsrücknahme: Eine Präsentation




Als kleine Einleitung, “Was heißt “Decroissance”?”, ein Artikel von Streifzüge (Streifzuege.org)


Unsere Präsentation


Die Suche nach einer demokratischen Alternative definiert die Wachstumsrücknahme noch stärker als die ökologische Dimension.
Darüber ein Beitrag von Valérie Fournier :

“Putting the economy in its place” (Momentan auf Englisch)







Was heißt decroissance?


Ein nüchterner Blick auf einen interessanten Vorschlag

Streifzüge 48/2010

von Massimo Maggini (aus dem Italienischen übersetzt und bearbeitet von Lorenz Glatz)

Es ist eine üble Sitte, die sich auch in der radikalen Linken immer weiter ausbreitet (nicht nur in der etablierten, die aus dieser Praxis schon einen Lebensstil gemacht hat), über Fragen und Probleme zu streiten, ohne zu wissen, worüber man eigentlich redet. Für diese Mentalität ist es oft ausreichend, den Verdacht zu hegen, dass der Verlag, der gewisse Texte herausbringt, “politisch” nicht “korrekt” ist oder dass der Autor verdächtigen Umgang pflegt, um drakonische und irreversible Urteile zu stanzen. Diese Urteile beruhen zum Großteil auf dem Hörensagen, das einer oberflächlichen und vorurteilsgeladenen Lektüre vorausgeht, um dann die Frage mit einem Hieb durch den gordischen Knoten abzuschließen, ohne sich je wirklich auf die Sache einzulassen und ohne sich mit dem Streitobjekt gründlich vertraut zu machen.

Was ich hier machen möchte, ist das umgekehrte Vorgehen, d.h. zu verstehen trachten, was jene These uns sagen, auf welche Weise sie zu einem emanzipatorischen Diskurs beitragen und welche Richtungen der Ausarbeitung, ob theoretisch oder praktisch, sie anregen kann.

Eine antikapitalistische Betrachtungsweise

Serge Latouche wird mit gutem Recht als Ziehvater der “decroissance” betrachtet, die im Italienischen mit “decrescita” und im Englischen mit “degrowth” sehr eng ans Original angelehnt übersetzt, im Deutschen aber mit “Wachstumsrücknahme” nicht sehr glücklich wiedergegeben wird, sodass für diesen Text das französische Wort beibehalten wurde. Latouche hat zuletzt einen Traktat zum Thema publiziert¹, der für eine Darstellung und Auseinandersetzung gut geeignet ist. Auch wenn man stellenweise sein Denken vielleicht der Naivität und des Utopismus bezichtigen könnte, so muss man doch anerkennen, dass das theoretische Gerüst, auf dem seine Überlegungen beruhen, zumindest beachtenswert ist. Versuchen wir also zu verstehen, wovon wir sprechen.

Um den klassischen Fehler einer voreiligen Auffassung zu vermeiden, empfiehlt es sich gleich einmal klarzustellen, dass “decroissance” nicht die Büchse der Pandora ist und noch weniger eine Rezeptur für die Befreiung und das glückliche Leben aller. “Decroissance” ist, sagt Latouche, vor allem ein “Slogan”, eine “Wortbombe”, deren Zweck es ist, einen Horizont zu sprengen, der von der Rechten wie von der Linken als unproblematisch angesehen wird: Das Schlagwort hat vor allem den Zweck, die Notwendigkeit zu unterstreichen, das Ziel eines unbegrenzten Wachstums aufzugeben, dessen Motor ganz wesentlich das Profitstreben der Kapitalinhaber ist. Der Gegenstand der Polemik ist also das kapitalistische Wachstum. Aber hier kommt auch schon der erste Einwand: Kann es auch ein nichtkapitalistisches Wachstum geben? Oder ist “kapitalistisches Wachstum” eine Tautologie oder gibt es z.B ein “sozialistisches Wachstum”, vielleicht sogar auch ein bisschen ein “ökologisches”?

Nein, in Latouches und jeder an “decroissance” orientierten Sichtweise ist Wachstum immer und einzig kapitalistisch, genauso wie “Entwicklung”. Man hat Wachstum, d.h. Akkumulation von Produkten und Wert, nur um die verrückten Erfordernisse des Kapitalismus zu erfüllen. Alles, was existiert, ist in Ware und Wert zu verwandeln - in einem Wiederholungszwang, der sich in einer Spirale permanenten Wachstums ins Unendliche fortsetzen muss (müsste). Hätte es ohne Kapitalismus irgendeinen Sinn, eine derart entfesselte Produktion von meist unnützen Dingen aufrechtzuerhalten samt allen ökologischen und sozialen Folgen, die das mit sich bringt? Oder könnte man nicht vernünftigerweise daran denken, mit den Zielen zu produzieren, Bedürfnisse zu befriedigen, die man nicht erst schaffen muss, sowie ein glückliches Leben für die Menschen zu gewährleisten statt den Geldwert der Waren zu realisieren? Hätte es noch Sinn, täglich Millionen Elektrogeräte, Autos und was sonst noch alles zu produzieren, mit dem einzigen - zwanghaften - Ziel, sie zu verkaufen, um Profit zu machen?

Offenkundig nicht. Wenn “decroissance” Wachstum und Entwicklung kritisiert, dann hat sie die Verrücktheit und Unbrauchbarkeit eines Produktionssystems im Auge, das in höchstem Maß Leid und Zerstörung verursacht, und hält nach einem vernünftigeren Ausschau, das auf Mensch und Umwelt achtet. Das ist in Kürze die Quintessenz des Vorschlags der “decroissance, die man im Auge behalten sollte, um ihrem Geist gerecht zu werden.

Eins der verbreitetsten Missverständnisse behauptet, dass von “decroissance” zu sprechen heute bedeute, die Völker der Dritten Welt, die wir Bewohner des Westens ausbeuten, um unseren wunderbaren Lebensstandard zu garantieren, irreversibel zum äußersten Elend zu verurteilen. Die “decroissance” predigt derlei aber mitnichten. Sie vertritt vielmehr eine kulturelle Abkehr vom Wachstum noch vor der ökonomischen, eine Abkehr, die auch jenen Völkern, die heute der Herrschaft des Westen unterworfen sind, erst einen echten Zugang zu Wohlergehen und Reichtum öffnet. Ein Westen, der nicht mehr kapitalistisch ist, nicht mehr ökonomisches Wachstum als sein Ziel sieht, das er um jeden Preis und vor allem auf Kosten der sogenannten Drittweltl¨nder erreichen muss, ließe dem “Rest der Welt” Platz für eine echte und dauerhafte Zusammenarbeit für ganz andere Ziele als die Anhäufung von Profit.

Entscheidend ist also, vor allem einmal den kulturellen Horizont des Wirtschaftswachstums zu überschreiten. “Decroissance” in einer Gesellschaft des Wachstums wäre in der Tat bloß eine ungeheure Katastrophe - so wie sie sich ja ganz real mit der jetzt entstandenen kapitalistischen Krise abzeichnet: eine Arbeitsgesellschaft ohne Arbeit und eine Wachstumsgesellschaft, in der das Wachstum ausbleibt. “Decroissance” ist nur im Rahmen eines gesellschaftlichen Umfelds konzipierbar, das schon auf einer anderen Logik basiert.

In diesem Sinn ist “decroissance” nicht nur unverträglich mit einer “nachhaltigen Entwicklung” oder dergleichen, sondern stellt sich radikal dagegen. Ökonomische “Entwicklung” kann weder nachhaltig noch dauerhaft sein. “Entwicklung” ist ein sehr zweifelhafter Begriff, der seinerseits auf noch zweifelhafteren wie “Fortschritt” oder “Modernität” beruht - er ist schlicht die andere Seite des Wirtschaftswachstums. Kein vom Westen kolonisiertes Volk hat je danach verlangt “sich zu entwickeln” (wohin und warum?), so wenig wie je eines hat “wachsen” wollen. Ein Wirtschaften, das sein Gleichgewicht darin findet, dass eine Bevölkerung zufriedenstellend mit Lebensmitteln versorgt wird, muss sich nicht “entwickeln”. Diese Notwendigkeit ergibt sich erst, wenn sie als Diktat von einer äußeren Macht auferlegt wird. Viele “fortgeschrittene” Zivilisationen (um einmal diesen entschieden unangemessenen Terminus zu verwenden) haben Jahrtausende bestanden, ohne auch nur einen Schritt fortzuschreiten, und sie haben daran nicht besonders gelitten noch sind sie deshalb ausgelöscht worden.

Viele dieser Kulturen hatten die technischen Mittel, um eine industrielle Revolution lange vor England in Gang zu setzen: die griechische z.B. oder die altägyptische, aber auch die auf dem amerikanischen Kontinent vor der verheerenden Ankunft des modernen Europäers. Sie haben sich aber davor gehütet, ein so verrücktes und selbstzerstörerisches System wie das unsrige einzuführen. Warum? Weil sie “inferior” oder “primitiv” waren? Es geht hier nicht darum, die vielen dunklen Flecken und mindestens problematischen Züge dieser Kulturen zu verteidigen, sondern man sollte sich ab und zu gewissen Fragen ernsthaft stellen, ohne die unerträglichen Vereinfachungen und Unterstellungen, die unter dem Diktat der späteren Fortschrittsideologie bis heute einen klareren Blick auf die Vergangenheit verstellen.

“Dekolonisierung der Vorstellungswelt”

Um zu unserem Thema zurückzukommen: Ich begnüge mich hier damit, soweit möglich zu klären, was “decroissance” zum Projekt der Befreiung vom Kapitalismus beitragen kann. Eine bündige Kritik an “Entwicklung”, ob einer “nachhaltigen” oder sonst einer, und an ihren eher unheimlichen Begleitideologien ist in diesem Zusammenhang der Kernpunkt. Der erste Schritt dazu, so Latouche muss eine “Dekolonisierung der Vorstellungswelt” sein, ein Überschreiten des Glaubenshorizonts der unbegrenzten Akkumulation. Ein Weg nicht ohne Probleme, vor allem wenn wir mit Marx anerkennen, dass der Kapitalismus als “automatisches Subjekt” agiert und nicht Ergebnis von tiefgründiger Reflexion ist. Transformation und Befreiung allerdings sind ohne bewussten und überlegten Kurswechsel unmöglich. Aber gerade angesichts der kapitalistischen Krise, in der wir uns befinden und höchstwahrscheinlich lange bleiben werden, von entscheidender Bedeutung.

Es handelt sich mit anderen Worten um die Durchsetzung eines “Paradigmenwechsels”, der vielleicht von der Krise begünstigt wird. Das stets gegenwärtige Risiko dabei ist jedoch, dass jede Revolte steckenbleibt, wenn sie das “automatische Subjekt” nicht ausdrücklich zum Gegenstand der Auseinandersetzung macht und sich auf eine immanente Reform eben dieses Subjekts beschränkt - und so zu einer unverhofften Hilfe für dieses verkommt. Allerdings enthält gerade Latouches Gedanke, dass “decroissance” in einer Gesellschaft, die im Horizont des Wachstumsdenkens befangen bleibt nicht mäglich ist, die Antikörper gegen jenes Abdriften. Es liegt jedoch an uns selbst, die Kritik und die Konfliktaustragung in die richtige Richtung zu lenken. Sonst geht bloß das klägliche Spiel der “Interessenvertretung” weiter, statt dass wir das eigene Leben in die eigenen Hände nehmen.

Der anstehende Kurswechsel, meint Latouche, lässt sich nicht mit Wahlen, einer neuen Mehrheit und einer besseren Regierung realisieren. Es braucht nicht mehr und nicht weniger als eine “Kulturrevolution”. Denn bevor an eine Umwälzung der Strukturen zu denken ist, geht es darum, auf einer anderen Ebene zu arbeiten, auf einer “mehr menschlichen”: Dem Altruismus gegen den Egoismus, der Kooperation gegenüber der Konkurrenz, der Freude an freier Zeit und Spiel gegen die Arbeitsbesessenheit, dem geselligen Umgang über die Konsumwut, der Selbstbestimmung gegen die Fremdbestimmung, der Lust am schönen Werk über die Effizienz der Arbeit die Oberhand verschaffen. Alles, was hier gefördert werden soll, hat in der Massenkultur einen gewissen Platz, ist unter den Leuten durchaus lebendig, wird aber negiert, behindert und ist vor allem vom erwähnten “automatischen Subjekt” dienstbar gemacht.

Kritik der Wahrheit

Zu diesem schwierigen, aber notwendigen Ausweg gehört auch die Suche nach einem anderen Umgang mit der Umwelt und folglich auch eine Kritik der mathematisch-experimentellen Naturwissenschaft, um ihren Einfluss und ihre absolutistischen und universalistischen Anmaßungen in Frage zu stellen (was aber keineswegs heißt, sich in eine Welt des Aberglaubens zu flüchten, der ja in Wirklichkeit bloß die Kehrseite des wissenschaftlichen Absolutismus ist). Die Natur ist nicht beherrschbar, es geht um eine harmonische Eingliederung in sie. Die Einstellung eines Räubers ist durch die eines guten Gärtners zu ersetzen, wie Latouche sagt. Dazu muss man die Anmaßung eines Galilei aufgeben, dass, was nicht mess- und berechenbar, auch nicht real ist, also nicht existiert, keine Wirkung zeitigt, nicht den Rang von “Wahrheit” hat.

Nur so überschreitet man zugleich den Horizont des Kapitalismus. Das Ergebnis soll nicht, man muss das wiederholen, ein Abgleiten in einen neuen mittelalterlichen Obskurantismus sein (falls das Mittelalter wirklich so finster war). Es geht vielmehr darum, die Hypertrophie naturwissenschaftlicher Wahrheit als der heute einzig gültigen, dazu bestimmt über den Wahrheitsgehalt des Existierenden zu befinden, zu redimensionieren. Über den Mond z.B. kann man sagen, er sei der Satellit der Erde. Er ist aber auch jenes Ding am Himmel, in dem das Kind in Hebels Gedicht “Der Sommerabend” ein Männchen in Jacke dahingehen sieht, oder jener, der Leopardis Gedicht “Alla luna” inspiriert hat. Bloß hat eine poetische Aussage nicht die Bedeutung einer wirklichen, für die Menschen relevanten Wahrheit, sie wird höchstens als eine ästhetische Improvisation angesehen, eine Art rhetorischer Freiheit, die man sich in der Rede nimmt und dabei natürlich die einzige, letzte und definitive Wahrheit der alles beherrschenden naturwissenschaftlichen Aussage nicht anzweifelt. Es geht darum, auch die Ansprüche zur Geltung zu bringen, die gerade von einer Redeweise wie der poetischen erhoben werden, die sich ausdrücklich nicht auf solide naturwissenschaftliche Grundlagen stützen, die deswegen aber nicht weniger ihre raison d'être, ja geradezu Notwendigkeit für den Menschen haben, die wieder anerkannt und als “wirkliche Wahrheit” im alltäglichen Leben der Menschen geschätzt werden muss.

Genau das könnte auch für gewisse Züge von Populärkulturen gelten, die im allgemeinen als Ausdruck primitiver und naiver Beziehungen zwischen den Menschen und der Erde abgehandelt werden, sowie für die handwerklichen Fertigkeiten, die ebenso als ineffektiv und insuffizient für die Erfordernisse einer Zivilisation verachtet werden, die auf einer industriellen Kultur mit in alten Zeiten unvorstellbarer Produktivität beruht.

Eine solche Redimensionierung bedeutet jedoch nicht - ich sage es noch einmal -, auf die Naturwissenschaft und ihre Methoden einfach zu verzichten, sondern meint eben Neubemessung, Beschneidung ihrer absolutistischen Anmaßungen und Eingrenzung in den ihr eigenen Bereich sowie Rückbindung an andere, weniger objektivierende Instanzen von Erkenntnis. Eine Suche nach dem “Maß” also gegenüber der “Hybris” der Moderne, dem “Unmaß”, das dem verrückten prometheischen Ehrgeiz und Machtwillen des modernen Mannes eigen ist. Die Hybris, das Unmaß des Herrn und Meisters der Natur hat den Platz des Sich-Einfügens in eine Umwelt eingenommen, die man in vernünftiger Weise ausbeutet, wie sich Latouche ausdrückt. Eine “vernünftige Ausbeutung”, die voraussetzt, dass man das kapitalistische Paradigma der Ökonomie und Produktivität aufgegeben hat, das Paradigma einer Welt, die sich auf eine Art von Wissenschaft stützt, die nicht zufällig mit ihr entstanden ist. Ein Ökonomismus, der natürlichen Überfluss mittels künstlicher Schaffung von Mangel und Bedürfnis in Knappheit verwandelt, indem Natur privatisiert und kommodifiziert wird.

Paradoxe Revolution

Eine echte Revolution also, die sich auf Vertrauen in die Fähigkeiten des Menschen stützt, wenn er sich einmal vom Zugriff des “automatischen Subjekts” befreit hat, auf den großen Reichtum gesellschaftlichen Erfindergeists, sobald einmal Kreativität und Genie nicht für Ökonomie und Produktivismus verschwendet oder von ihnen gedämpft werden. Auch die Arbeit bekommt in diesem Kontext eine neue Bedeutung. Sobald sie einmal nicht mehr von den kapitalistischen Erfordernissen der Akkumulation und Ausbeutung bestimmt ist, verschlingt sie nicht länger das Leben der Menschen. Sie wird zu einer weder hektischen noch totalitären Betätigung, zu einer, der es um die Herstellung von Gütern geht, die den Menschen nützen und ihr Wohlbefinden fördern, das nunmehr in Begriffen sozialer Beziehungen, des Freiseins und des Glücks statt des Besitzes und der Entfremdung gefasst wird.

Die zügel- und sinnlose Produktion von Waren, die de facto niemand je gewünscht hat (und die, um verkauft zu werden unaufhörliche Werbefeldzüge brauchen, die den Bedarf erst herstellen), die Verwüstung der natürlichen Umwelt, der mörderische Angriff auf Länder und ihre Bewohner, deren einzige Schuld es ist, auf Ressourcen zu sitzen, die für die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Verrücktheit unabkömmlich sind - dies alles soll verschwinden zu Gunsten sinnvoller Herstellung mit völlig anderer Ausrichtung.

“Decroissance” schließt zugleich quantitative Reduktion und qualitative Transformation der Arbeit ein. Freilich ist auch dieser Übergang um einiges komplexer, als man sich vorstellen mag. Es handelt sich nicht “einfach” darum, die geltende ökonomische Ordnung umzustürzen, das unrechtmäßig Entzogene den Ausgebeuteten zurückzuerstatten und eine den Bedürfnissen angemessene Verteilung der Güter einzuführen. Es braucht mehr: den Zauber des Lebens, freie Zeit und Spiel und reiche soziale Beziehungen. Latouche schließt an Hannah Arendt an: Nicht nur die beiden verdrängten Bestandteile der vita activa, die Tätigkeit des Handwerkers und Känstlers und das eigentliche politische Handeln sollen ihr Bürgerrecht wiederfinden, auch die vita contemplativa selbst soll rehabilitiert werden.

“Decroissance” ist nicht jene rückwärtsgewandte und tendeziell rechte Ideologie, als die sie zuweilen dargestellt wird. Das Risiko dahin abzudriften, besteht aber zweifellos, wenn sie in verwässerter und verbogener Form zu einem systemimmanenten Ausweg gemacht wird. Die Menschen müssten bloß ein “nüchternes” und moralisches Leben in den Tugenden der Sparsamkeit und Genügsamkeit führen, damit der “Standort” auch in diesen dunklen Krisenzeiten reüssieren könne. Gegen derlei Verdrehungen ist “decroissance”, wie Latouche sie beschreibt, sicherlich ein gutes Antidot. Der Wandel, den sie erfordert, ist in der Tat unvereinbar mit den Erfordernissen kapitalistischer Produktion und Akkumulation. Ihre realistischen und vernünftigen Vorschläge haben daher paradoxerweise wenig Chancen auf konkrete Realisierung und noch weniger auf Erfolg ohne einen vollständigen Umsturz des Bestehenden und die Schaffung von dessen Voraussetzung, der Änderung der Vorstellungswelt, die allein die Perspektive einer selbstbestimmten und convivialen (Ivan Illich) Gesellschaft hervorbringen kann.

Andererseits schlie&zslig;t die Kritik der Moderne nicht ihre schlichte Ablehnung ein als vielmehr ihre Überwindung. Es ist durchaus im Sinne des Emanzipationsvorhabens der Aufklärung und der Errichtung einer selbstbestimmten Gesellschaft, dass wir das Scheitern der Moderne angesichts der herrschenden kapitalistischen Fremdbestimmung verkünden. Mit einer paradoxen Verwirklichung jener Ideale, die die “decroissance” in der Tat zu bekämpfen propagiert, vertritt Latouche ein Denken, das m.E. verdient, bedacht und anerkannt zu werden. Die wahrlich finsteren Zeiten, die wir jetzt zu durchqueren haben, verlangen Erklärungen und Auswege, die auf Möglichkeiten verweisen, die vielleicht utopisch und fern erscheinen, aber anziehend und mitreißend sind. Ob sie verwirklicht werden, können wir nicht sagen. Eins aber ist sicher: Es wird nicht damit gehen, dass man die Regierenden, die Unternehmer und dergleichen anfleht, jene doch bitte zu realisieren. Das werden wir eher in erster Person tun und zur Befreiung vom Kapitalismus einen neuen selbstbestimmten Anlauf nehmen müssen, der uns hoffentlich einmal über dieses kriminelle und verrückte System hinausbringt und zu einer neuen Epoche führt, in der - um eine berühmte Metapher von Marx aufzunehmen - der Mensch sich auf die Füße stellt und endlich auf seinen Beinen zu laufen beginnt. Es geht gewissermaßen darum, eine Wette abzuschließen, auch diese vielleicht so paradox wie jene von Pascal, aber nötig wie noch nie. Was wir zu verlieren haben, sind heute im Grund mehr denn je unsere Ketten. Und eine Welt zu gewinnen.

Noten

1Serge Latouche, Petit traité de la décroissance sereine, Mille et une nuits 2007.
Serge Latouche, Breve trattato sulla decrescita serena, Bollati Boringhieri 2008.
Serge Latouche, Farewell to Growth, Polity Press 2009.
Eine deutsche Übersetzung ist bis dato noch nicht erschienen.


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Wachstumsrücknahme: Eine Präsentation


Von Adèle Bouvattier, Korrekturen von Anna Lena und Michael


“Ob es um die Bekämpfung der Massenerwerbslosigkeit, die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme, die Konsolidierung der Staatshaushalte, die Armutsbekämpfung, den sozialen Frieden oder gar den Umweltschutz geht: “Wirtschaftswachstum” gilt heute für Politiker jeder Couleur und Nationalität - und auch für einen großen Teil der außerparlamentarischen Kräfte in Deutschland - als entscheidende Voraussetzung zur Lösung der drängenden Gegenwarts- und Zukunftsprobleme. Der Glaube an diese magische Größe hat mittlerweile geradezu religiöse Formen angenommen: Das Wachstum wird von prophetisch auftretenden Auguren erahnt, beschworen und mit den seltsamsten Praktiken, die eher ritueller als wirtschaftspolitischer Natur sind, herbeigebetet, gerade so als handele es sich um das Kommen des Messias selbst, der uns von allen Übeln dieser Welt befreien soll.
Auf dem Altar des ersehnten “Aufschwungs” werden hart erkämpfte soziale Errungenschaften der letzten 150 Jahre ebenso geopfert wie die Zukunft kommender Generationen, die eine vom ökologischen Kahlschlag verwüste Welt werden bewohnen müssen.”

Fabian Scheidler in “Gibt es ein Leben nach dem Wachstum?” Attac.de, Debatte um die Wachstumskritik


Kontext und Ursprünge

Die Idee der Wachstumsrücknahme hat zwei Ursprünge:
1 - Die Erkenntnis, dass wir auf eine ökologische Katastrophe zusteuern.
Die Schäden, die der exzessive Konsum in den reichen Ländern verursacht, sind eigentlich schon da: Klimaveränderung, Erschöpfung der nicht erneuerbaren Rohstoffe, Verschmutzung und Abfälle, Schäden an der Gesundheit...
2 - Die Einsicht, dass das Gesellschaftsmodell des exzessiven Konsums und der Überproduktion in den Industrieländern in eine Sackgasse führt und dass wir gleichwertigere Beziehungen zu Schwellenländern und zu nicht industrialisierten Ländern aufbauen müssen. Dies würde einen bewussten Umgang mit verschiedenen Arten der Diskriminierung wie beispielsweise Rassismus oder Sexismus sowie den Abbau von neokolonialistischen Bestrebungen einschließen.

Serge Latouche, Wirtschaftswissenschaftler, beschreibt “Zwei Quellen der Wachstumsrücknahme” (Petit traité de décroissance sereine, Mille et une nuits, 2007):
Die Bewegung für WR vermittelt tatsächlich Ideen von altem Ursprung, die mit der Kritik an der Wirtschaft aus kultureller und ökologischer Sicht verbunden sind. Ihre theoretische Basis (der Homo oeconomicus) und deren Umsetzung in die Praxis, das heißt die moderne Gesellschaft, wurden bereits von Durkeim, Mauss, Polanyi, Sahlins, E. Fromm, G. Bateson et al. kritisiert.
Diese Kritik wurde von A. Gorz, F. Partant, J. Ellul, B. Charbonneau, C. Castoriadis, I. Illich, J. Dewey et al. in den 60er Jahren formuliert:

- Kritik aus kultureller Sicht: unerwünschte Gesellschaft Erfolglosigkeit der Entwicklung im Süden und der Orientierungsverlust im Norden stellen die Konsumgesellschaft und ihre imaginäre Basis (Fortschritt, Wissenschaft, Technik) in Frage.
Daher rührt die Suche nach einer Post-Entwicklung.

- Kritik aus ökologischer Sicht: Umweltkrise und Gesellschaft ohne Nachhaltigkeit
Die physischen Grenzen des Wachstums werden schon von Malthus (1766-1834) und von Nicolas Léonard Sadi Carnot mit seinem zweiten Gesetz der Thermodynamik (1824) in Betracht bezogen.
Die Ökologie wird als Frage in der Wirtschaft von Sergueï Podolinsky (Sozialismus und Ökologie) und vor allem von Georgescu-Roegen (bioökonomische Folgen des Entropiegesetzes) entwickelt.

Vergleich (von Latouche) zwischen der klassischen Definition von Wirtschaft und der Realität:
- Die klassische Definition von Wirtschaft analysiert die Ökonomie, indem sie die Mechanik von Newton als Modell nimmt. Abfälle und Verschmutzung bleiben außerhalb der normalen Produktionsfunktionen; Gegen 1880, wird sogar der Faktor “Erde” aus dieser Definition gelöscht. Seither unterliegt die Produktion theoretisch keiner ökologischen Barriere mehr, obwohl die Natur ihre Grundlage ist. Von daher werden seltene Ressourcen vergeudet, die Solarenergie bleibt weitgehend ungenutzt.
- In der Realität ist der wirtschaftliche Prozess entropisch: Nimmt man eine gegebene Biosphäre und einen linearen Zeitverlauf, dann ist ein unbegrenztes Wachstum in einer begrenzten Welt unmöglich. Die Wirtschaft muss in der Biosphäre gedacht werden. (Kenneth Boulding vergleicht in einem Artikel aus dem Jahr 1973 die Wirtschaft der Cowboys, die auf Ausbeutung der Ressourcen basiert, und die räumlich begrenzte Wirtschaft des Kosmonauten.)
Dies ist die physische Begründung der Argumentation für eine Wachstumsrücknahme, aber auch die Grundlage für wissenschaftliche Arbeiten, in denen der Begriff “Ökologischer Fußabdruck” entwickelt wurde. Die andere Begründung der Argumentation für Wachstumsrücknahme ist natürlich eine politische.

Paul Ariès (Décroissance ou barbarie, Golias, 2005) beschreibt vier Hauptkrisen:
- eine Umweltkrise (Regellosigkeit des Klimas)
- eine Sozialkrise (Steigerung der Ungleichheiten)
- eine Krise der Politik (Abbau der Demokratie)
- eine Krise des Menschen (Verlust des Sinns).
“Das System der Entwicklung erschlägt den Menschen genau in dem gleichen Maß, wie er die sozialen Verbindungen niederschlägt und die Natur zerstört.
Die Wachstumsrücknahme wäre dann ein Versuch, eine Lösung für diese vierfache Krise zu finden.”
(Freie Übersetzung für unsere Seite)

François Schneider forscht als Wissenschaftler über Ökologie. Er hat den Rückkopplungseffekt beschrieben: “Durch diesen Effekt, wird der Gewinn, den der technische Fortschritt uns theoretisch bringen kann, von einem Wachstum des Konsums aufgelöst.”
Er gibt fünf Gründe:
- Ökologisches Problem
- Problem der sozialen Gerechtigkeit
- Demokratisches Problem
- Problem der Lebensqualität
- Wissenschaftliches Problem
In der von der Petra-Kelly-Stiftung organisierten Konferenz, “Wege aus der Wachstumsfalle!” (November 2007) stellt er den Kontext vor: “Von Öko-Leistungsfähigkeit und Wirtschaftswachstum erwarten wir: weniger Arbeitslosigkeit, weniger Verschmutzung, mehr Freizeit, mehr sozialer Austausch, Sicherheit, Gesundheit, Glück
Nun:
- Wir prüften das Heilmittel: effiziente Dienstleistungen, saubere Autos, saubere Heizung..., Autobahnen und Internet, miniaturisierte Elektronik
- Das BIP pro Kopf (Quelle: Weltbank)
. ist in den Entwicklungsländern seit 1960 nicht gestiegen
. ist in den OCDE-Ländern zwischen 1960 und 2003 von ungefähr 7.000 US$ (1960) bis 23.000 US$ (2003) pro Kopf (in konstanten 2000 US$) gestiegen
- Die weltweiten Warenexporte sind zwischen 1950 und 2000 insgesamt gestiegen:
. Landwirtschaftliche Produkte um das siebenfache
. Benzin und Bergbauprodukte um das zehnfache
. Fertigprodukte um das fünfzigfache
- Der Energieverbrauch im Europa der 15 steigt seit 30 Jahren unaufhörlich
- Die versiegelte Fläche steigt seit 30 Jahren ebenfalls, zum Beispiel in Frankreich: 5,9 bis 7,7 Prozent der Gesamtfläche zwischen 1985 und 2000
Das heißt:
Wir konsumieren immer mehr, mehr Flüge, mehr Autos, mehr Energie für Heizung und Klimatisierung in größerem Wohnraum, mehr importierte Produkte, mehr Fläche unter Beton oder Asphalt, mehr Produkte und Dienstleistungen
Und ...
Die Welt wird NICHT weniger verschmutzt, wir sparen keine Zeit, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch, die Lebenserwartung hat zwar zugenommen, aber Krebs und Stress nehmen ebenfalls zu, wir sind nicht glücklicher.”

Schließlich kann man Valérie Fournier zittieren: "Putting the economy back in its place involves the affirmation of values grounded in humanism and the republican ideals of democracy, equality and solidarity."
("Putting the economy in its place", International Journal of Sociology and social policy)

Wir müssen tatsächlich ein anderes Gesellschaftsmodell und eine andere Art zu leben finden.

Wie es Valérie Fournier schreibt: "This escape from the economy is at least as much a question of decolonising the imagination as one of enacting new practices, it calls for rethinking the economy (...) or rethinking ourselves outside economic relations, for example, by fighting against the reduction of human beings to their economic function (...)".

Was wäre dann die Wachstumsrücknahme?

Paul Ariès: “Es handelt sich nicht um eine Rückkehr zu einem pseudo-verlorenen Paradies, es handelt sich um eine gemeinsame Abzweigung.”

Es würde sich also erst um eine physische und wirtschaftliche Schrumpfung aber um ein Wachstum der sozialen und ökologischen Gerechtigkeit handeln, die zu einer besseren Lebensqualität und einer fairen Reduzierung kollektives Verbrauchs von natürlicher Ressourcen führen würden.

Was die physische und also auch wirtschaftliche Dimension - wir betrachten die Entkoppelung von ökologische und wirtschaftliche Sphären als unmöglich - fasst Nicolas Ridoux zusammen: “Regelmäßige Verminderung des Verbrauchs von Rohstoffen und Energie, in den Ländern und für deren Bevölkerungen, die mehr als ihren akzeptablen ökologischen Fußabdruck verbrauchen. Als Erstes müsste das materiell Überflüssige zugunsten eines Wachstums der humanen Beziehungen Platz machen. Diese Verminderung des Konsums ist beabsichtigt.” (Nicolas Ridoux, La décroissance pour tous)

Nun was diese Dimensionen und alle andere trifft, muss noch geklärt werden: Wie?
Dies stellt die dringende Frage der Rückkehr in die Demokratie, welche eine Grundbedingung der Gerechtigkeit ist.

Und Gerechtigkeit ist ein zentrales Ziel der Wachstumsrücknahme. Das heisst, es muss dabei betont werden, dass die Wachstumsrücknahme (WR) nicht proportional ist.
Sie wäre:

1- eine WR bei den Reichsten, um die Finanzschwächsten zu befreien: Die Herausforderung der Umverteilung im Norden

So schreibt Paul Ariès in seinem Artikel « La décroissance, un mot-obus » (Revue La Décroissance, April 2005, freie Übersetzung für unsere Seite):
“Wir müssen keine Angst haben, dass die Wachstumsrücknahme eine Rücknahme von allem für alle ist. Sie gilt für das Überentwickelte, fürs “Überwachstum”, für Gesellschaften und soziale Klassen, deren Feistigkeit und Bulimie Konsequenzen für die Aufnahme der Güter bei den Schwächeren haben, wobei das gleichzeitig mit einem Selbstzerstörungsprozess verbunden ist. Die Frage der Verteilung, also der Demokratie, kommt vor der Frage ihrer ökonomischen Umsetzung. Von daher muss die Bewegung für Wachstumsrücknahme auf drei Feldern agieren:
- die individuelle Widerstandskraft, das heißt die freiwillige Einfachheit;
- die gemeinsame Alternative: dadurch müssen wir eine andere Lebensweise finden, die die individuellen Bestrebungen zusammenfasst;
- die politische Ebene, durch Diskussion und Debatte auf grundsätzlicher gesellschaftlicher Ebene. Hier heißt es, sich zu entscheiden.
(...)
Es ist unsere Aufgabe als Bürger, dass wir uns engagieren und am demokratischen Prozess teilnehmen. (...) ...die wahre Alternative liegt nicht mehr zwischen Wachstum und Wachstumsrücknahme, sondern zwischen Rezession und Wachstumsrücknahme.”

Auf das gebetsmühlenartig wiederholte Argument: “Das Wachstum ist eine Bedingung des Kampfs gegen die Arbeitslosigkeit und für Wohlstand” antworten wir: Falsch!
Bis 2007 wuchsen wir immer weiter, doch die Arbeitslosigkeit nahm nicht ab. Ebenso wenig nahm der “Wohlstand” zu. Das Wachstum ermöglicht nur, dass die Gewinne der großen Firmen steigen. Die Arbeitslosigkeitsrate bleibt allenfalls konstant oder wächst trotz Wachstum. Im Fall, dass wir zu wachsen aufhören, steigt sofort die Arbeitslosigkeit... heißt es.

Wie es A. Passadakis und M. Schmelzer (Berliner Degrowth-AG, Attac Deutschland) schreiben, es ist aber “genug für alle da”! Die richtige Herausforderung ist die Umverteilung:
“Eine Postwachstumsökonomie bedeutet einen Bruch mit der Scheinlogik des verteilungspolitischen Positivsummenspiels und der Illusion der Knappheitsökonomie, in der nur umverteilt wird, wenn die Wirtschaft wächst. Denn es ist genug für alle da. Der bestehende Reichtum muss gerecht verteilt werden, und nicht weiter wachsen. Neben einem Minimaleinkommen gehört daher ein Maximaleinkommen zum Forderungskanon vieler Décroissance-Gruppen. Postwachstum verabschiedet sich auch von der Illusion der wachstumsbasierten Vollbeschäftigungsgesellschaft. Arbeitszeitverkürzung für alle ist die Alternative und eine Absenkung der absolut geleisteten Zahl von Lohnarbeitsstunden ist notwendig, um das BIP tatsächlich dauerhaft abzusenken. 20 Stunden sind genug!”
(in Solidarische Postwachstumsökonomie statt Austerität)

Gemeinsame Alternative, sich wieder politisch engagieren...
Eine kollektive Verwaltung der Produktionsmittel könnte einen Anfang von Lösung anbieten. Hier bleibt aber die Debatte offen: manche von uns wetten, dass wir dadurch zu einer optimalen Aufteilung der Ressourcen und einer kompletten ökologischen Verwaltung kommen könnten. Und wieder zur Demokratie! Andere bleiben skeptischer.

Die Frage der Demokratie führt jedenfalls zu einem zweiten Punkt: Wie können wir Demokratie wünschen, ohne zu wünschen, dass die nicht industrialisierten Länder endlich das Recht haben, über sich selbst und ihre Ressourcen zu bestimmen? In den industrialisierten Ländern des Nordens muss immer wieder deutlich gesagt werden, dass unsere gegenwärtige Lebensart von der Ausbeutung der Ressourcen in den Ländern des Südens abhängig ist...

...2- eine Wachstumsrücknahme im Norden, um den Süden zu befreien

Die reichsten 20 Prozent der Menschen (Bevölkerung der reiche Länder) verbrauchen 80 Prozent der Ressourcen der Erde...
“Ein durchgehendes Wachstum bedeutet keinen wachsenden Wohlstand: Nach den 30 goldenen Jahre fällt die so genannte ISH-Kurve immer weiter unter das BIP. Das aktuelle Wachstum ist zuerst ein Wachstum der Ungleichheiten im Norden ebenso wie im Süden. Der Überfluss bei 20 Prozent der Weltbevölkerung ernährt sich von der Unsicherheit und des Elends der übrigen 80 Prozent. Damit manche mehr und billiger konsumieren können, können andere weniger konsumieren und ihren Lebensunterhalt unter immer schwierigeren Bedingungen verdienen...” (Décroissance.free, freie Übersetzung für unsere Seite)

Fabian Scheidler schreibt in “Gibt es ein Leben nach dem Wachstum?” (Attac.de, Debatte um die Wachstumskritik):
“Eine Steigerung des BIP kann also mit einer Erhöhung der Lebensqualität einhergehen, jedoch ebenso in das Gegenteil umschlagen.
Und das Gegenteil ist längst der Fall, zumal wenn man die Perspektive über die nationale Ökonomie hinaus ausdehnt und bedenkt, dass auch die realen Wohlstandszuwächse des Nordens oft genug auf Kosten anderer Erdteile erwirtschaftet wurden und werden. Das Wachstum der Industrieländer beruht seit der Kolonialzeit zu einem wesentlichen Teil auf asymmetrischen Wirtschaftsbeziehungen, die eine Extraktion billiger Ressourcen aus dem Süden erlauben. Dieses System von strukturellem Dumping wird heute vor allem durch die Bretton-Woods-Institutionen (WTO, IWF, Weltbank) fortgeschrieben - im Namen eines Wachstums, das vor allem den Kapitalinteressen des Nordens dient. Stiegen die Rohstoffpreise auf ein Niveau, das den ökologischen und sozialen Raubbau in den Ländern des Südens stoppen würde, so wäre es mit den Wachstumsaussichten im Norden ohnehin vorbei.”

Notwendig ist also eine Rücknahme von materieller Produktion und Konsum, und daher von der Plünderung der Ressourcen des ganzen Planeten, von der Verschmutzung, von der Zerstörung der Ökosysteme.
Dies ist eigentlich keine “Möglichkeit”, sondern eine Notwendigkeit. Es ist klar: Die natürliche Ressourcen sind begrenzt und wir können damit alle überhaupt nicht wie im Norden oder genauer gesagt wie in den reichen industrialisierten Ländern leben. Wir müssen unsere Lebensart neu denken. Das ist eine Frage von Grundrechten, von Gleichheit, von Humanität und wie gesagt, von Demokratie. Nur Konzepte, die vom Wachstum und von der dominanten Ideologie verneint werden.

Die Strömungen der Wachstumsrücknahme und deren DenkerInnen

1- Physische und wirtschaftliche Schrumpfung
Nicholas Georgescu-Roegen...
2- Schrumpfung als kulturelle Revolution, Ausweg aus dem Ökonomismus; Ökofeminismus
Hannah Arendt/Jacques Ellul/André Gorz/Ivan Illich/François Partant...; Vandana Shiva...
3- Schrumpfung als freiwillige Einfachheit
Henri Thoreau/Mahatma Ghandi...

Wachstumsrücknahme und Rückkehr in die Demokratie

"...faced with serious environmental threats, people who have the most to lose (mainly in the North) might well hand over their freedom to state figures promising to preserve their lifestyles. This would of course entail a drastic aggravation of global injustice, and be a serious blow to democracy. Degrowth is offered as a way of avoiding "ecocracy" in the future, a path we could chose today to remain in a position to collectively and democratically shape our future in the face of ecological degradation. The more we wait, the more the shock imposed by the earth natural limits might be brutal and the risk of emerging "ecototalitarian" responses high."
Valérie Fournier

Zwei Idee müssen entwickelt werden
1. Das gegenwärtige System, nämlich der Kapitalismus, ist undemokratisch. Wir denken, dass die endlose Suche nach Akkumulation nur durch Manipulierung (zum Beispiel durch Werbung, Marketing...) und Konditionierung (sogar in der Schule) gestillt werden kann: Kapitalismus ist auf keinen Fall mit individueller Emanzipation und Demokratie vereinbar.
Deswegen ist der Aufruf zur WR ein Aufruf zur Demokratie ebenso wie ein Aufruf gegen Kapitalismus und Wachstumsideologie.
2. Die gegenwärtige Art der Regierungen, Lösungen für das “ökologische Problem” zu suchen, lässt eher noch weniger Demokratie voraussehen: solche Maßnahmen wie der “CO2-Steuer” in Frankreich beschreiben gut welche Politik sie vor haben: Kein aktives Engagement von Unternehmen, das heißt keine Veränderung dort, wo die wahren Gründe für die Zerstörung unseres Planeten zu finden sind; allerdings ungerechte Maßnahmen oder Steuern für die breite Bevölkerung... Es ist absehbar, dass man Strafen zahlen muss, wenn man sich nicht normgerecht verhält (zum Beispiel einen ökologischen Lebensstil verfolgt), Unternehmen jedoch werden nie gedrängt, ausschließlich ökologische Produkte zu planen, zu produzieren oder zu bauen.

"A concept central to degrowth is that of democracy, and with it, the affirmation of choice in the face of the supposed inevitability or autonomy of the growth economy."
Wie es Valérie Fournier gut beschreibt: Angesichts der Dringlichkeit, plädiert die Wachstumsrücknahme für einen demokratischen Übergang in eine ökologische Postwachstumsgesellschaft heute, denn sonst werden zukünftige Regierungen dies auf eine totalitäre und undemokratische Weise erzwingen.

Wir sollen daher die Initiative des Wandels in der Hand halten.

Die Wachstumsrücknahme, wie?

- Individuell und stadtweit: Entschleunigung und Freiwillige Einfachheit

Wie gesagt, die Wachstumsrücknahme besteht teilweise im so genannten “einfachen Leben” oder auch in der “freiwilligen Einfachheit”, die auf der Kritik des Materialismus, der Schnelllebigkeit und Reizüberflutung basieren.

Nicolas Ridoux (La décroissance pour tous, Parangon Verlag, 2006, S. 95, freie Übersetzung für unsere Seite):
“Die Wachstumsrücknahme bedeutet unter anderem auf einem individuellen Niveau die freiwillige Einfachheit. Das heißt: die Solidarität ernst nehmen und eine Lebensweise anstreben, die weltweit von allem geteilt werden könnte.
Das heißt auch: sich vom Oberflächlichen befreien und sich dem Essenziellen hingeben.
Das einfache Leben ist eine starke, gewählte Reduzierung unseres Konsums.”
(...)
“Grundsätzlich, wir sind mit einer Wiedereroberung der Freizeit konfrontiert.”

Die Bewegung “Slow” (Cittaslow, Slow Cities auf Englisch) ist Teil dieses Prozess, durch die Rückkehr zur Langsamkeit gegen die zitierte Schnelllebigkeit und Reizüberflutung der Konsumgesellschaft. (Siehe unsere Links)

Die freiwillige Einfachheit hat dann auch zwei wichtige Punkte als Konsequenz:
- Die Zurückführung der Produktion in die Region des Verbrauchs (Re-Regionalisierung). Dadurch liegen Produktion und Wertschöpfung vor Ort
- Selbstverwaltete Bewegungen und Orte
Vor allem sie ist der demokratische Weg zu einer anderen Gesellschaft: als einzige Alternative eines totalitären Regimes, das wir nicht wünschen, muss die notwendige Veränderung “von unten” ankommen.

Als Beispiel, geben die 10 Ratschläge der Casseurs de Pub einen guten Rahmen, um gegen die Konsumgesellschaft in Widerstandstand zu treten:
1 - Mach dich vom Fernsehen frei
2 - Mach dich vom Auto frei
3 - Verzichte auf Flugreisen
4 - Befreie dich vom Handy
5 - Boykottiere die großen Verbrauchermärkte und Discounter
6 - Iss weniger Fleisch
7 - Kaufe Produkte aus deiner Region
8 - Bring dich in die Politik ein
9 - Fördere deine persönliche Entwicklung
10 - Setze Wachstumsrücknahme in deinem eigenen Leben um

Allgemeiner, zitiert Paul Ariès (Décroissance ou barbarie) die Aufgabe der Wachstumsrücknahme:
1. Nieder mit der Fortschrittsideologie
2. Nieder mit Konsumgesellschaft
3. Nieder mit Arbeitsgesellschaft
4. Für eine allgemeine wieder Lokalisierung
5. Die Unentgeltlichkeit wieder lernen
6. Die Natur wieder lernen
7. Die Echtheit des Lebens wieder finden
8. Unsere Körper wieder investieren
9. Die Zeit wieder investieren
10. Der Raum wieder investieren
11. An die Autonomie wieder anknüpfen
12. Die Gesellschaft wieder symbolisieren
13. Die Bewegung der Wachstumsrücknahme aufbauen

Valérie Fournier: "...degrowth does not require a decrease in quality of life, simply a different conception of quality of life, one that gives more importance to sensorial experiences, relationships, conviviality, silence, beauty than consumption (Ariès 2005)."

Das heißt natürlich viele individuelle Entscheidungen, aber auch schon Maßnahmen, die nur von der Gesellschaft als Ganzes getroffen werden können...

- Institutionell und gesellschaftlich

Die Wachstumsrücknahme kann also unter anderem als politisches Programm vorgestellt werden.
Ein Programm, das nach Serge Latouche (Petit traité de la décroissance sereine) Folgendes zusammenfassen könnte:
- unseren Fußabdruck unbedingt zu einem nachhaltigen Niveau zu reduzieren nämlich zu einem Produktionsniveau der 60er Jahre.
- die Aktivitäten wieder auf eine lokale Ebene zu bringen, zu begrenzen und die Kosten, die für Verschmutzung durch den Transport eines Produktes in den Preis des Produktes einrechnen
- eine bäuerliche Landwirtschaft auf ökologischer Basis fördern
- die Produktivitätsgewinne in eine Reduzierung der Arbeitzeit und neue Arbeitsstellen transformieren, so lang das es noch Arbeitslosigkeit gibt
- “Beziehung statt Güter”
- die Energieverbrauch um den Faktor vier reduzieren, wie es der Verein négaWatt vorschlägt (négaWatt ist ein Zusammenschluss aus 110 Experten und Studenten. Der Verein hat das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2050 in Frankreich um die vierfache Menge zu reduzieren. Er schlägt unter anderem maßvollen Verbrauch und Effizienz vor.)
- Ausgaben für Werbung stark bestrafen
- ein Moratorium für techno-wissenschaftliche Innovationen verordnen.

Als Teil dieses Prozess schlägt François Schneider, in seinem Vortrag bei der Petra-Kelly-Stiftung, die Sparsame Innovation vor:
“1. Schritt: Verweigerung bestimmter Technologien
Sind sie AKW-frei? GVO-frei? Waffenfrei? Frei von Nanotechnologien?
2. Schritt: Herausforderung bestimmter Technologien
Politische Maßnahmen und Lebensstile, um
- Autos, Flugzeuge, Fernsehen, Supermärkte
- Planierraupen, Sprengstoffe
- leerstehende, Wochenend- und Ferienhäuser
- Tierproduktion und -verbrauch
- Müllverbrennung zu reduzieren
3. Schritt: Einbeziehung von Grenzen zu bestimmten Technologien
- Gerechte Öko-Steuern
- Technische Geschwindigkeitsbegrenzungen
- Reduzierung der Straßenkapazität
- Grenzen für die Automatisierung
- Biologische und mineralische Reserven
- Abbau- und Importquoten
- Anpassung von Haushaltsgrößen
4. Schritt: Entwicklung von Alternativen, mit der die Beschränkungen integriert werden, zum Beispiel: Fortbewegung zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Zug, gemeinsame Güternutzung; unterirdische Bewässerung, Regenwassernutzung, biologische Landwirtschaft; Solarheizung, Windräder, kleine Hydraulikanlagen; Mehrwegverpackungen, Kompostierung; lokales ökologisches Bauen.
Außerdem Anpassung der kollektiven Verbrauchs- und Produktionskapazität, durch die letzte sparsame Innovation, um einen Rückkopplungseffekt zu vermeiden”

Dann wird eine “weiche Landung der Wirtschaft auf einem nachhaltigen Niveau” möglich, die in ausgewogener Weise folgendes verbindet:
“- Schrumpfung in der Produktion:
. Leistungsfähigkeit: weniger Mittel pro Produktionseinheit
. Reduzierung von zerstörenden Industrien mit Hilfe von Öko-Steuern und Lokalisierung
- Schrumpfung im Konsum: freiwillige Abnahme des Verbrauchs
- Reduzierung bezahlter Arbeitsstunden
Job-Sharing / partizipative Demokratie”

Wie man es sieht, fehlen die Ideen und Möglichkeiten nicht.

Solche Maßen könnten aber nur von der Gemeinsamkeit entschieden werden. Deswegen ist eine gemeinsame wieder Einsetzung im politischen Leben und in die direkte Demokratie notwendig...
(Valérie Fournier: "Replacing the consumer by the citizen")

Und die Kunst dabei?
Die Frage nach Arbeit und Freizeit in einer Postwachstumsgesellschaft

Die erste Frage ist nämlich: hätte jeder Arbeit in einer solchen Gesellschaft?
Wie früher erwähnt, wir glauben das, und zwar dank zwei nötige Revolutionen:
- die gerechte Umverteilung der Arbeitszeit sogar bei den Aktuellen Produktionsebene
- der Verzicht von fossilen Energieträgern, durch den unglaublich viele Arbeitsplätze entstünden, trotz einer reduzierten Produktion. (Man muss nur einmal bedenken, dass z.B. der Verbrauch eines Barrel Erdöls zwischen 10.000 und 20.000 Stunden menschliche Arbeit repräsentiert)

Jeder soll Arbeit haben. Doch hier spielen die individuellen Bedürfnisse eine Rolle, denn nicht alle wollen und benötigen dieselbe Menge Arbeit. Die Frage der Verteilung ist zentral,

1. Weil sie mit einer anderen Frage verbunden ist, nämlich dem Ende einer Ideologie, die die klassische Erwerbsarbeit in den Mittelpunkt stellt, die so genannte Arbeitsideologie
In der Konsequenz bedeutet das:
- das Ende der Arbeitslosigkeit durch die Umverteilung von Arbeit
- das Ende der Ausgrenzung - in einer Gesellschaft, die Menschen, die keine Arbeit haben, ausgrenzt. Wenn dieser Teil der Bevölkerung nicht mehr ausgegrenzt wird, kann er sich selbst und seine schlafenden Potenziale entdecken - für sich selbst und für die Gemeinschaft.

2. Weil sie mit einer zweiten Frage eng verbunden ist: Die Frage der Freizeit.

Unsere gegenwärtige Gesellschaft hat der Arbeit eine derart zentrale Stelle im Leben eingeräumt, so dass sich viele Menschen heute fragen, was für einen Sinn ein Leben noch hat, in dem sie vielmehr arbeiten als leben. Es gibt zwar die Leute, die in ihrer Arbeit richtige Freude finden, doch das ist die Minderheit. Die meisten arbeiten, weil sie vor allem überleben müssen...
In der Revue du Mauss no 29, in «Polanyi et Le sophisme économiciste» ist zu lesen, dass was wirklich im Leben zählt, was den Menschen Glück und Befriedigung verschafft - beispielsweise Liebe, Freundschaft, Schönheit, Kreativität etc - sich mit Geld oft nicht kaufen lässt. Dinge, die sich mit Geld erwerben lassen, haben dagegen nicht so viel Wert, denn sie verschaffen uns nicht wirkliches Glück. Gegen diese Handelsmentalität - Geld gegen vermeintlich glückbringende Dinge - wendet sich Polanyi. Daher plädiert er auch für die Notwendigkeit die Arbeit zu reduzieren. Denn wenn man einsieht, dass zahlreiche Dinge nicht notwendig sind und auch nicht wirklich glücklich machen, muss man auch nicht so viel Geld verdienen, um sie zu kaufen.
Diese Handelsmentalit&auuml;t beeinflusst “alle unsere moralische und philosophische Haltungen”.

Dagegen steht der Raum für das Spiel und die Kunst, der mit einer Verminderung der Arbeitszeit, also mit der Freizeit, entsteht. Diese Zeit bedeutet auch das Denken neu zu lernen, seinen Horizont zu erweitern und seine Reflexionen über die Welt zu kultivieren. Dadurch ist es letztendlich möglich, sich selbst zu erfahren, neue Möglichkeiten zu entdecken, frei schöpferisch tätig zu sein und künstlerische oder sportliche Techniken zu lernen oder einfach neue Wege und Konzepte der Lebensführung zu entwickeln.

Durch eine solche “Wiedereroberung der Freizeit” kann sich teilweise das allgemeine Imaginäre vom Konsummodell, also dem kapitalistischen Ideal befreien. Die Kunst und das Spiel haben also eine zentrale Rolle, um in der befreiten Zeit den Konsum oder die dumpfe Berieselung durch die Medien zu ersetzen.

Durch diese Wiederbesetzung der Freizeit kann also die Wachstumsrücknahme eine Befreiung des kollektiven Imaginären bedeuten, die im Westen durch den kapitalistischen Geist mit seiner Konsumhaltung besetzt ist. Die entstehenden Freiräume können durch Kunst, das Engagement im Leben vor Ort und für Demokratie sinnvoll genutzt werden. Dadurch gewinnt der Einzelne eine individuelle “Wiedereroberung des Sinns”. Durch sein eigenes Gleichgewicht zwischen Arbeit, Freizeit und Natur der Freizeit, nimmt er Anteil am persönlichen Selbstverwirklichungs- oder Entwicklungsprozess. So findet er seinen individuellen Platz im Kosmos.

Und von daher werden nicht nur Wiederaufbau und Restrukturierung der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Gesellschaft möglich, die Welt gewinnt an Schönheit und wird insgesamt lebenswerter...

Zum Schluss...

Wir sehen “Wachstumsrücknahme” als radikalen Slogan, als Aufruf zum Verlassen dieses Systems, als Aufruf zum Zusammenschluss gegen dieses System.
Wir haben keine Zeit mehr. Wir denken und hoffen, dass ein Schlagwort wie “Wachstumsrücknahme” am leichtesten Aufmerksamkeit erregt.
“Die” Wachstumsrücknahme ist keine Theorie, sie ist keine Partei... wie gesagt: sie ist vor allem eine Perspektive, die politische Bewegungen gegen den Kapitalismus und die Wachstumsideologie vereinigt.

Unsere potenzielle Gewinne durch die Wachstumsrücknahme? Nochmal nach François Schneider :

“Mehr Natur, mehr Zeit, mehr Gerechtigkeit, mehr Räume für Fröhlichkeit und Kunst, mehr Gesundheit und Sicherheit, weniger Arbeitslosigkeit und weniger Stress, mehr Glück?




Anhang: Gruppen/Kollektive/Netzwerke, die in Frankreich die Wachstumsrücknahme öffentlich zustimmen (Quelle: François Schneider)

. Netzwerk der Wachstumsverweigerer für ein Post-Development (ROCADE); nach UNESCO-Konferenz 2002
. Netzwerk von Personen um die Website décroissance.org und die Zeitschrift La décroissance (35000 Ex. monatlich) und Institut für ökonomische und soziale Studien für nachhaltige Schrumpfung (IEESDS)
. Wachstumsverweigerer für eine gemeinsame antiliberale Alternative (AUA); Nein zur europäischen Verfassung
. Lokalgruppen (in Bourges, Grenoble, Le Mans, Lille, Limoges, Montpellier, Lyon, Nantes, Paris, Poitiers, Rennes, Saint Etienne, Montauban, Toulouse, Vannes und anderen Städten)
. Netzwerk der Schrumpfungsverbreiter; Aktionen und Debatte in der Öffentlichkeit
. Netzwerk der Freunde der akademischen Zeitschrift Entropia . “Kolibri - Gruppen” um Pierre Rahbi, “José Bové - Gruppen”, Präsidentschaftskandidaturen 2002 und 2007
. Kollektiv um die “Generalstände der Schrumpfung” von Lyon, Saint-Nolff, Vassivière, verschiedene Versuche, die Bewegung zu vereinigen
. Einzelpersonen, die zu keiner dieser Gruppen gehören

Parteien, Gewerkschaften, politische Bewegungen
Partei für Schrumpfung (PPLD), Die Grünen, trotzkistische Partei LCR, José Bové...
Dazu Minderheiten in verschiedenen großen Parteien, antiliberales Kollektiv, das sich nach dem “Nein” zur europäischen Verfassung gebildet hat; Gewerkschaftsverband (Minderheiten in verschiedenen Verbänden), Bauerngewerkschaftsverband (Confédération paysanne) und ATTAC (lokale Gruppen)...

Ereignisse
. Lokale, regionale oder nationale Märsche der WR: Lyon-Magny Cours (Juni 2005), Loire-Atlantique (Mai 2006), Nord Pas de Calais (Juli 2006), Maubeuge- Lüttich, Jura, Charentes (Sommer 2007), usw.
. Generalstände der Wachstumsrücknahme (EGDE) : Lyon (Oktober 2005), Saint-Nolff (Juli 2006), Creuse (August 2007).
. Kolloquien : Entwicklung abbauen, die Welt neu aufbauen (Paris, Februar 2002), Kolloquium zur Schrumpfung (Lyon, September 2003), ROCADE Kolloquien (Thiviers, Gaillac und Torino, Juli 2004, September 2005 und 2006) usw.
. Nationale Treffen von Schrumpfungsverbreitern: Lyon (Januar 2006), Gaillac (November 2006) usw.
. Viele lokale Konferenzen, Treffen, Diskussionen, Messen, Ökofestivals, Aktionen in ganz Frankreich
. Bildung, Lehre : Volksuniversität in Lyon (Februar 2007), Sommeruniversität in Italien usw.

Medien
Zeitschrift La décroissance, Akademische Zeitschrift Entropia, Umweltzeitschriften Silence, L'écologiste, L'âge de faire... viele Bücher und immer mehr Webseiten; Filme, konventionelle Medien (Arte u.a.)


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Putting the economy in its place


Teil vom im International Journal of Sociology and Social Policy veröffentlichen Artikel, "Escaping from the economy: the politics of degrowth" von Valérie Fournier


Putting the economy back in its place, or "escaping from the economy" (sortir de l'économie) (Homs, 2006; Latouche, 2005a, b) has become a central motif of the degrowth movement, and is particularly apt in capturing some of its central themes, especially the emphasis on democratic choice, and the foregrounding of social and humanistic values over economic rationality. Putting the economy back in its place involves the affirmation of values grounded in humanism and the republican ideals of democracy, equality and solidarity (Ariès, 2007; Cheynet, 2007).

For proponents of degrowth, in order to challenge neo-liberal economics of growth, it is not enough to propose alternative economic models because the proposal of alternative economies does not in itself question the importance accorded to the economy; instead, we need to start with value and politics, we need to oppose economic determinism or "economism" by going back to the terrain of the political. Thus one of the starting point of the degrowth movement is to politicise the economy, to reveal it as an abstract idea, a self-referential system of representations (Latouche, 2005b; Homs, 2006) rather than an objective reality, a set of "given" facts and forces as it is commonly presented. Of course, on this point, degrowth advocates draw upon a whole tradition that since Polanyi (1944) has sought to deconstruct the naturalness of the economy (see for example, Caillé, 2005; Callon, 1998; Gibson-Graham, 1996, 2006) and has called into question the "hardness", "fact-ness" or supposed inevitability of economic "realities" such as the market, work or value. From this perspective, the economy is seen as a historical process created though discursive practices rather than as a natural, autonomous and a-historical phenomenon. For example, Gibson-Graham (1996, 2002, 2006) have called for a reconceptualisation of economic relations and identities away from "capitalocentric" thinking. Throughout their extensive work, Gibson-Graham (e.g. 1996, 2002, 2006; the Communities Economies Collective, 2001) has sought to reframe economic activities in terms of the co-existence of different forms of transactions, labour, and ways of producing and distributing surplus. In their involvement in various community regeneration programmes, Gibson-Graham and their colleagues in the Community Economies Collective have invited people to re-imagine their economic activities in terms other than those made available by capitalism. For example, they have sought to re-present different forms of transactions beside commodity market (e.g. local trading schemes, gifts, mutual exchange between households), different forms of labour beside wage labour (e.g. self-employment, volunteering, domestic work) and different forms of surplus distribution beside capital accumulation and profit "imperative" (e.g. governed by social or environmental ethic). This broadening of the "economy" has opened up possibilities for people to re-imagine their "economic activities" in terms of the voluntary contributions, mutual help and provision of "free services", in which they routinely engage in the home, the neighbourhood or the broader community.

The degrowth movement shares much of Gibson-Graham's critical intent, and also insists that the economy is open to choices and multiple possibilities; both approaches contribute to freeing the imagination and conceptualisation of material practices from the grip of capitalism. However, if they both share a concern to politicise the economy, they approach this task from different perspectives. Firstly, whilst Gibson-Graham is concerned to free the economy from capitalist rendering, and to map out economic relations in terms other than those made available under capitalism, the degrowth movement starts with concepts or values within politics (democracy, citizenship) to recast economic activities in political terms. Secondly, the degrowth movement inscribes its reconceptualisation of the economy within environmental concerns, and thus could forge links between environmental-led and economic-led calls to rethink the economy.

Insisting on the constructed nature of the "economy" is not to deny the importance of the various material practices that go into meeting our needs. However for proponents of the degrowth movement (as well as for the many authors mentioned above who stress the constructed and political nature of the economy), these practices need to be re-embedded within the social and the political rather than be seen as belonging to an autonomous, reified field of "the economy".

This escape from the economy is at least as much a question of decolonising the imagination as one of enacting new practices, it calls for rethinking the economy (or as Caillé, 2005, puts it "de-thinking the economic"), or rethinking ourselves outside economic relations, for example, by fighting against the reduction of human beings to their economic function, as producers and consumers (Ariès, 2005). This re-thinking outside the economy is illustrated here with two conceptual moves within degrowth debates, each corresponding to the affirmation of a different set of values to that of "economic rationality": replacing the discourse of economic imperatives by that of choice and democracy, and recasting the consumer as a citizen.

From economic imperative to democratic choice
A concept central to degrowth is that of democracy, and with it, the affirmation of choice in the face of the supposed inevitability or autonomy of the growth economy. Degrowth foregrounds choice by firmly placing what are usually presented as inevitable economic rules or forces within a democratic framework, and questioning "immutable" economic precepts such as the commonly deployed notion that growth (and efficiency) will help protect and create jobs; and surely no one could stand against this! For politicians and managers, the protection and creation of jobs has long been a magic trick (or as degrowth proponents would maybe more aptly call it, a blackmailing strategy) deployed to call for and legitimise efficiency measures designed to increase competitiveness or programmes of growth, as if "jobs" where in themselves an irrefutably desirable end; and indeed one of the main arguments that has been made against the degrowth movement is that it would lead to the loss of jobs. However, proponents of degrowth question the social utility of creating or protecting meaningless or even harmful jobs, for example they ask: what sort of jobs? Under what conditions? To produce what? For whom? With what consequences? For what social utility? These questions have led to debates within the degrowth movement that not only provide a critique of the value placed on (waged) work, but also call for selfreduction in working time by unilaterally taking unpaid leave (e.g. Homs, 2007).

But if the degrowth movement is intent on getting us out of economic imperatives, they are equally suspicious of political or ecological imperatives. Thus, they are wary of the possible danger of emerging authoritarian responses to environmental crisis. There is a long-lived tension within environmentalism between a commitment to democracy and grassroots participation on the one hand, and a concern for immediate action and results in the light of rapid ecological degradation on the other (Latta, 2007; Torgerson, 1999). Indeed, the sense of an environmental crisis could become another means (besides invoking the threat of terrorism) of reinforcing state authority (Blühdorn and Welsh, 2007).

The degrowth movement recognises the danger of "ends-oriented" thinking where the perception of a crisis produces a "political imperative" that pushes aside democratic debate and urges us all to act in a concerted manner. As Latouche (2006b) notes, faced with serious environmental threats, people who have the most to lose (mainly in the North) might well hand over their freedom to state figures promising to preserve their lifestyles. This would of course entail a drastic aggravation of global injustice, and be a serious blow to democracy. Degrowth is offered as a way of avoiding "ecocracy" in the future, a path we could chose today to remain in a position to collectively and democratically shape our future in the face of ecological degradation. The more we wait, the more the shock imposed by the earth natural limits might be brutal and the risk of emerging "ecototalitarian" responses high. But whilst recognising the threat of environmental degradation, proponents of degrowth are not prepared to sacrifice democracy to some "ecological imperative" any more than to economic or political imperatives.

Unlike some radical ecologists and in particular deep ecologists (e.g. Naess, 1989; Sessions, 1995), degrowth proponents are as keen to escape from the "force" of nature as they are from the force of capitalism or the market. Degrowth is not presented as an ecological imperative (although it may be that too), but as an opportunity to initiate debates and reclaim decisions about the organisation of economic and social activities. Thus Ariès (2005) insists that degrowth is not a "forced option" in the face of catastrophic environmental crisis; he is keen to move away from apocalyptic visions that could legitimise imposed solutions, and insists that degrowth is a choice that defenders would make without the oncoming ecological crisis, "simply to be human". Degrowth is not defended as a necessity but as a choice, one that has to be made democratically and openly. Similarly, for Latouche (2006b), whilst degrowth may impose itself through natural limits, it is an opportunity to democratically reclaim and rethink the way we live, or "to make a virtue out of necessity". The material conditions defined by limited ecological space and its current over-use may create an imperative for radical change in the ways we organise ourselves, but it does not in itself dictate how this should be done.

This emphasis on democratic choice over "imperative" is accompanied by a privileging of human and social values above ecological ones. Whilst degrowth may have to operate within ecological limits, it is strongly anchored in humanist values; and various proponents are at pain to show that their concerns are primarily with human values and social justice rather than ecological values. Thus as noted above, Ariès (2005) would stand for degrowth even without the oncoming ecological crisis, "simply to be human"; in a similar vein, the Parti pour la Décroissance defines itself as "humanist" before ecologist. Similarly, for Latouche (2006a), degrowth is not just about protecting the environment, it is a question of social justice. More generally, it is argued that the ecological crisis is just one consequence of an ideology of growth that destroys the social fabric (by creating inequalities and poverty) and democracy as well as the environment. In sum, degrowth is not defended as a necessity but as a political choice: we are not condemned to degrowth, rather it is an open path we can chose and shape.

Thus degrowth is not envisaged in terms of sacrifice, or austerity and scarcity (as it is often accused of), but as an opportunity to reconsider what constitutes the good life. This emphasis on the good life is signalled by the use of terms such as conviviality (Moins de biens, plus de liens - "Fewer goods, more relationships" being one of the motto of the movement) and well-being (indeed, the sub-title of the Journal de La Décroisssance is La Joie de Vivre). Proponents insist that degrowth does not require a decrease in quality of life, simply a different conception of quality of life, one that gives more importance to sensorial experiences, relationships, conviviality, silence, beauty than to consumption (Ariès, 2005).

Replacing the consumer by the citizen.
Reclaiming citizenship and privileging this role over economic ones such as that of the consumer has been a strong motif in recent green politics (e.g. Dobson, 2003, 2006; Dobson and Bell, 2006; Dobson and Valencia-Saiz, 2005; Doherty and de Geus, 1996; Hayward, 2006; Latta, 2007)[5]. Dobson's (2003) conceptualisation of ecological citizenship is of particular interest here since its political rather than moral emphasis seems well in tune with the degrowth movement. Dobson's (2003) definition of ecological citizenship is grounded in ecological footprints; ecological citizenship is bound by the obligations arising from limited ecological space and excessive ecological footprint; it is grounded in material relations but translate these material relations into political ones. Thus, the current vast inequalities in ecological footprints between rich and poor countries define relations of obligation, especially from the rich to bring about a more equitable distribution of ecological space (Dobson, 2003). For Dobson, grounding ecological citizenship in material relations related to limited ecological space makes it an eminently political concept for it sets the conditions of (in)justice: "Political obligation between citizens is generated, in my conception, by the requirements of justice under conditions of ecological space scarcity" (Dobson, 2006, p. 448). Thus ecological citizenship, on this understanding, is not a moral issue, but as Dobson (2003, 2006) is at pain to show, a political one. The community created by the material relations defined by ecological footprint is a political community, rather than one defined by a "common humanity".

This emphasis on the political nature of citizenship is one shared by the degrowth movement. Here citizenship is also envisaged in terms of collective, political practice; indeed, it is the collective and political nature of citizenship that opens up escape route from the economy. Calling upon citizens takes us away from the individual, selfinterested motives of the consumer; it serves to link individual choices and behaviours into collective action, to frame them in a political context, not only "by opening up the possibility of checking self-interest against the common good" (Dobson and Valencia Saiz, 2005, p. 158), but also by lifting what could amount to no more than isolated individual lifestyle decisions and actions (e.g. to recycle, buy green products) into a wider political domain. This politicising function of citizenship is particularly central of the degrowth movement's proposal for a general consumption strike.

One particular strategy that is put forward as a political weapon for people to reclaim themselves as citizens is the consumption strike (Ariès, 2006). But this consumption strike is a not envisaged as the isolated acts of individuals, as an exercise in lifestyle whereby individuals boycott a particular product or opt for voluntary simplicity (although these are also deemed to be worthwhile strategies). Rather, it is proposed as a political act that would be accompanied by collective demands to government and industries (Ariès, 2006). Citizens could, for example, demand institutional or legal frameworks that privilege human rights (such as a universal right to decent accommodation, to free public transport) above the rights of consumers to choose cheap throw-away products, or of producers to advertise. So the idea of the consumption strike is not about exercising power as a consumer (i.e. a sort of "voting with your trolley or wallet"), but rather about refusing to identify oneself as a consumer.

This consumer strike could be organised in steps so that the future "ex-consumers" learn to use this weapon and to live without consumption; the steps that are suggested include for example, participating in the "buy nothing day" that already takes place in November of each year and organising others, targeting forms of consumption that are deemed particularly damaging (e.g. cheap "throw-away" goods manufactured under conditions of slave labour), or inviting people to reflect on how they could consume less (Ariès, 2006). And as we learn to live outside the economy, or the domain of commodity exchange, the consumption strike could also become an end in itself. Unlike the worker's strike whose aim is to return to work, the aim of the consumer strike is not to return to consumption, but rather to learn to move away from it. Thus the general consumption strike could be both a means and an end: a weapon to attack capitalism and growth economics at its core - in its sacralisation of consumption, but at the same time a way of learning to live differently from the homo economicus which we are commonly reduced to.

If the general consumption strike is one mechanism imagined to privilege the citizen over the consumer, another conceptual strategy that has been put forward is to reimagine the market as a space that calls upon us as citizen, that appeals to our sense of civil obligation and participation rather than to our "economic rationality". Thus, Latouche (2003) proposes to reframe the market in terms of the Agora. Drawing on studies of markets in Africa as well as on the imagery of the Agora in Ancient Greece, he suggests that recasting the market as the Agora would re-inscribe exchange within the social and the political, and would call upon us as citizens rather than consumers. "Markets" would no longer be thought of as just places for commodity exchange, but also as having social and political functions. This is not to say that the market so conceived would have no economic function, but that it would not be reduced to this. For Latouche, the Agora is first and foremost a place of public life and civil society. It is a place for encountering the foreign, the other (a school of tolerance); it is also a forum for political life where elected officials and candidates come out to speak, to campaign and debate. And the Agora is also a place of counter power to the official power (of the Acropolis); for example, in Africa it is a place where women can subvert their subordinate role and affirm themselves as citizens.

In terms of practice, rethinking the market along the line of the Agora means reinscribing it within time and space, embedding it within local contexts so that it has a more immediate reality to participants. So the market is no longer an abstract, distant, universal, omnipresent and omnipotent "force", but a specific social reality firmly located in time and space. Indeed, the localisation of exchange, production, finance and politics is seen as "the most important strategic means" of degrowth (Latouche, 2006a). For proponents of degrowth, this means producing locally most of the products that are to satisfy local population's needs, local financing of organisations through the harnessing of local credit, local exchange schemes, including those relying on local money, and at the political level, the creation of "small republics" whereby all citizens are involved in the public affairs of their area.

In sum, the notions of democracy and citizenship are strong motifs of the degrowth movement, and are both part of its broader intent to "escape from the economy", to redefine economic relations and identities in political terms. The emphasis on democracy clearly refutes any economic or ecological imperative and firmly places the decisions concerning the organisations of our affairs within our own collective hands, and the foregrounding of the figure of the citizen over that of the consumer paves the way for forms of collective engagement that take us away from the self-interested actions of the homo economicus. However, this dual emphasis on democracy and citizenship is not without potential tensions, tensions that are also reflected within the broader context of environmental politics and that are discussed in the next section.

Who wants to be a citizen?
Any talk of democracy or citizenship begs questions about inclusion and exclusion: who will be willing/able to take part in civil society? Will it be, as environmental politics are often represented, the preserve of a small minority? (e.g. Latta, 2007; Schosberg, 1999) Or can it be made to involve, and appeal to, a broader audience? As noted earlier, there is a potential tension between environmentalism and democracy (Torgerson, 1999; Latta, 2007). On this issue, the degrowth movement is clear that it would stand for democracy before ecology, and as I discussed earlier is wary of "ecological imperative" discourse. By foregrounding choice and democracy in its attempt to politicise the economy, it is careful not to fall into another form of determinism, ecological or otherwise, and is insistent that whilst the material conditions defined by limited ecological space and its unfair distribution create an imperative for radical change, they do not in themselves dictate the ways in which this should be done; indeed, this ecological crisis could be seen as an opportunity to shape our future. In addition, the foregrounding of citizenship in the degrowth movement as well as in some recent work within environmentalism (e.g. Dobson, 2003, 2006; Doherty and de Geus, 1996) calls upon us all to participate in environmental actions. Environmental degradation is not a problem to be solved exclusively by government policy but through the everyday decisions and actions of all of us (e.g Berglund and Matti, 2006). If, following Dobson (2003), we define citizenship in terms of material relations grounded in ecological scarcity, then we are all drawn in as citizens, called to act and participate in the fair distribution of limited natural resources; we are all in relations of obligations, in a position of owing or being owed ecological space (Dobson, 2006).

However this potentially all inclusive definition of (ecological) citizenship leaves two questions open. The first one concerns the mechanisms through which we are called upon as citizens (how do we get the call?), the second concerns our willingness to answer that call, in other words why should we want to be a citizen?

Turning to the first point, the degrowth movement may have some interesting contributions to make. It has proposed or organised the creation of various spaces of civil society, of citizenship, from one day event such as the "Buy Nothing Day", to the more ambitious general consumption strike, to month long events such as the Marches pour la Décroissance, or attempts to re-embed markets within local fabric and politics. However, if degrowth proponents are keen to open up spaces for the enactment of local democracy, they are equally wary of the danger of leaving political participation to these relatively small and local levels, for, they argue, this could lead to parochialism, and to the confinement of critique and alternatives to a few marginal groups. Thus, to challenge the supposed neo-liberal consensus around growth, and re-politicise economic debates and practices, there is a need to engage with a wider public. For degrowth to be inclusive, it cannot be left in the hands of local or direct participation but needs to be articulated at broader levels, it needs to become a mass movement. This is not to deny the importance of grassroots initiatives, of local politics and "small events"; but for proponents of degrowth, we also need to develop mechanisms that will link up local spaces and actions into a broader political movement, and that will bring debates to a broader audience; an this involves entering parliamentary politics (Ariès, 2007). It is for this reason that the Parti pour la Décroissance was created, and that proponents of degrowth support representative democracy. They argue that whilst direct democracy is appropriate at small local level, it cannot be organised beyond small groups of 50 people, thus excluding the majority of citizens (Cheynet, 2007). For supporters of degrowth, representative democracy is essential to the organisation of inclusive collective action and debate. And indeed it seems that this strategy has succeeded in bringing the notion of degrowth to public debate, for as noted earlier, it has become a term with which the press and mainstream politicians have had to engage with (although usually not embrace).

The second issue raised by the emphasis on citizenship concerns motivation is; considering the comfort many of us in the North enjoy as consumers, why would we want the burden, obligations, responsibility of citizenship? Indeed, a quick perusal at the reactions of governments or individuals in the face of rapidly escalating environmental degradation does not bring much hope. Whilst there is a growing number of people and governments who recognise the urgency of ecological threats, they remain unwilling or unable to do anything other than "sustain the unsustainable" to borrow a phrase from Blühdorn (2007); this is, indeed, a response I am commonly faced with when talking to students about the sort of alternative economies we could build in response to environmental and social degradation. Whilst many of the students seem well aware of the environmental and social wreckage caused by Western style consumption and production, they admit that they remain unwilling to do away with fast food, designer clothing or cheap consumer goods. So short of the authoritarian responses that would eschew the motivation question and that the degrowth movement is so keen to avoid, what could drive people to abandon the comfort of consumerism and take on the obligation of citizenship? Various suggestions have been offered. For example, Dobson (2003, 2006) in his discussion of ecological citizenship argues that it is justice that will motivate us to acknowledge, and act upon, our obligations. He agrees that simply pointing to material asymmetries in the use of ecological resources will not provide sufficient ground for action; there need to be reasons that link the facts of asymmetries to conclusions about how we should act. For him, this is the role of justice: "Justice is the reason that links the facts (unequal occupation of ecological space) to the normative conclusion (act so as to reduce the occupation of ecological space where appropriate)" (Dobson, 2006, p. 450). However, this still leaves open the question of why we should be motivated by justice. Dobson (2006) deals with this in a footnote, where he claims "I hope I will not be asked to explain why people should feel motivated to do justice, as this is a task that has confounded much more powerful minds than my own" (p. 451). Indeed, but then we are back to the beginning.

In a rebuttal of Dobson's thesis, Hayward (2006) tries to eschew the question of motivation by putting forward "resourcefulness" as the main ecological virtue; this he argues "involves the development and exercise of human capacities, and this fulfils part of the substance of a good human life; it also eases the pressure on finite natural phenomena that are needed as resources in (roughly) inverse proportion to resourcefulness" (p. 442). For Hayward, the very definition of resourcefulness avoids the problem of motivation behind Dobson's justice; since resourcefulness relies on the development of human capacities, it also defines the good life. In other words it is what we should all want to develop if we are to become fully human, to realise our potential as human beings. Thus resourcefulness conveniently aligns ecological concerns and personal interests; as individuals deploy ingenuity to reduce their use of resources, they will also develop themselves or realise their human capacities. But as Dobson (2006) notes, it is not clear what is ecological about resourcefulness; indeed, humans can, and have, put their ingenuity to work on many projects, from space exploration, to the exploitation of resources, or the design of war machines and nuclear weapons; and the reduction in the use of natural resources has, so far at least, not been at the forefront of these projects.

Both the values of justice and resourcefulness could be read within a degrowth framework; concerns for justice underpin its avowed republican values of democracy, equality and solidarity, and its articulation of democratic choice and citizenship. A case could also be made for the existence of a parallel between Hayward's resourcefulness and the degrowth movement's emphasis on humanistic value; thus, for example, Ariès' (2005) claim that he would stand for degrowth even without the ecological crisis, but simply to be "human" hints at the development of human capacities beyond that of "consuming". However, maybe the point is not to find what could motivate us to be "good ecological citizens", as any simple answer to this question is bound to be flawed and could be co-opted into another set of instrumental measures, but rather to create spaces where we can act as citizens rather than as consumers, whatever our motives for doing this might be (social justice, environmental justice, self-development). In other words, instead of trying to work out our motivations for acting as citizens, we could simply create as many spaces as possible where we would be defined in terms other than economic rationality: not as consumers who want more (for less), who are after value for money, or the latest cheap deal. Whilst the degrowth movement is no more able to answer the big motivation question as any other environmental writers or theories, it can make a small contribution to environmental politics by opening up such spaces.

As I have suggested earlier, degrowth is not merely about consuming and producing less, it is first and foremost about providing a critique of the economy and its colonising effect, and pointing to escape routes. Escaping from the economy thus provides an essential starting point for conceptualising forms of social organisation that do not rely on economic vocabulary, for imagining practices such as consumer strikes that break up with economic rationality, for developing spaces such as local markets in which we can experiment non-economic relations and identity. Thus maybe the main contribution of the degrowth movement to environmental politics and debates is that through its emphasis on "escaping from the economy" it provides both conceptual and practical strategies for challenging the growth economy; and it does this by inviting us to rethink economic practices in terms of democratic choices and acts of citizenship. This is not to say that these non economic spaces do not exist already; the myth of universal commodification tends to ignore the fact that many of us spend a significant proportion of our time providing for ourselves, or helping others provide for themselves, without relying on the market (e.g.Williams, 2004, 2005a, b). In addition, others have made similar points about the need to escape from "orthodox" economic framing; as was mentioned earlier Gibson-Graham (1996, 2002, 2006) have called for a reconceptualisation of economic relations and identity away from capitalocentric thinking. However, considering the serious nature of the ecological and social crisis facing us, multiplying the calls to escape from the economy, and finding as many points of exit as possible may be far from a redundant exercise.

Notes

1. Growth does not fare much better in terms of social justice. The global inequality in the use of ecological space has been accompanied by growing inequalities in the distribution of wealth. Economic growth fuelled by increased consumption does not bring more wealth to the most needy, as the infamous "tricking down effect" would have us believe. Rather it tends to privilege the richest and those who are already consuming beyond their fair share of the earth resources. Thus whilst the amount of global wealth has never been so high, 1.1 billion people still have no access to drinking water, 1.2 billion people live on less than 1 dollar a day and 2.8 billion on less than 2 dollars a day; this represents 45 per cent of the world population (UNDP, 2006) . The poorest 20 per cent of the planet accounted for 1.1 per cent of world income in 2006 against 2.3 per cent in 1970; the richest 20 per cent (mainly living in the North) accounted for 86 per cent of the world income against 70 per cent in 1970.

2. In this regard, Pumar (2005) offers an interesting account of the way in which the neoliberal understanding of sustainability became institutionalised, and came to efface more radical perspectives.

3. The book was translated in French as Décroissance: Entropie-Ecologie-Economie (Georgescu-Roegen, 1979).

4. This emphasis on critique is also reflected in the Parti pour la Décroissance's manifesto and statutes; the party defines itself as a counter-power and its statutes contain a clause stipulating that any member who becomes elected to a position of executive power will have to resign from the party for the duration of his/her mandate.

5. Although the terms of consumers and citizens are commonly used to index different set of concerns or motives (the pursuit of individual interests and satisfaction versus moral and collective responsibility), the distinction is not always clear cut. As Shaw (2007) notes, given the impact that consumption patterns have on society and the environment, it has become, for some, a vehicle for practising citizenship and building community.


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